Gewalt gegen Kinder steigt an

Einsames Kind sitzt auf einer Schaukel. Der drohende Schatten des Vaters hinter ihm.© Angela Waye - Shutterstock.com

Gewalt gegen Kinder ist ein großes Thema, denn leider passiert es immer wieder, und selbst wenn es bemerkt wird, handeln leider nur die wenigsten Mitbürger. Die polizeiliche Kriminalstatistik aus dem Jahr 2014 besagt sogar, dass die Gewalt gegen Kinder im letzten Jahr auch noch zugenommen hat!

Bei dieser Statistik wurde bekannt, dass die Zahl der aufgenommenen Misshandlungsfälle um 3,5 Prozent zunahm. Die Zahl der Betroffenen betrug im Jahr 2014 exakt 3.649. Diese Zahl ist anhand der zahlreichen Aufklärungskampagnen erschreckend und mit vollem Recht fragen sich viele Menschen, wie man gegen so etwas nur vorgehen kann. Die erste Regel in einem solchen Fall, der eine so hohe Zahl hervorbringt, ist die Augen nicht zu verschließen, denn die Anzeichen sind oftmals sehr offensichtlich.

Die Zahl der Gewalttaten gegen Kinder ist zwar gestiegen, im Gegenzug ist die Zahl der sexuellen Übergriffe auf Kinder gesunken. Im vergangenen Jahr lagen 12.134 Fälle vor, das ist ein Rückgang von 2,4 Prozent. Ob man diese Zahlen als Erfolg verbuchen will, bleibt fraglich, denn die meisten Misshandlungen und Verbrechen an Kindern bleiben im Dunkeln. Die Polizei spricht selber von einer sehr hohen Dunkelziffer in diesem Bereich.

In der Statistik wurde bekannt, dass es ganze 1.017 Fälle im Jahr 2014 gab, in denen der „Vollzug des Beischlafs mit einem Kind“ vorhanden war. Exhibitionistischen oder sexuellen Handlungen vor Kindern gab es in 1.830 Fälle, das sind gerade einmal 59 Taten weniger als im Jahr zuvor. Eine weitere niederschlagende Tatsache ist, dass die Beschaffung von Kinderpornografie 2014 wieder erneut leicht anstieg. Man zählte 2,6 Prozent mehr Taten als im Jahr zuvor.

Die Zahlen der Misshandlungen sind erdrückend

In einem Interview gab die Geschäftsführerin des Vereins „Innocence in Danger“, dieser kümmert sich um misshandelte und missbrauchte Kinder, bekannt, dass diese Zahlen lediglich die Spitze eines Eisberges sein. Man geht davon aus, dass es pro Jahr bis zu 240 000 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern gibt, so Julia von Weiler.

Besonders erschreckend ist, dass diese Zahl 20-mal so hoch ist, wie die Statistik angegeben hat. Ist die Dunkelziffer wirklich so groß? Im Interview wollte man zusätzlich von Frau von Weiler wissen, wie stark die Kinder wirklich von Missbrauch und Gewalt betroffen sein.

Im Schnitt wird fast jedes fünfte Kind Opfer von Misshandlungen oder sexuellem Missbrauch

Frau von Weiler erklärte daraufhin, dass mindestens jedes vierte bis fünfte Mädchen und mindestens jeder siebte Junge bis zum 18-Lebensjahr-Opfer von Misshandlungen oder sexuellem Missbrauch wird. Rechne dir das nur mal in deinem Freundeskreis durch. Im Schnitt ist das jedes fünfte Kind!

Nun stellt sich die Frage, wieso laut den Statistiken die Zahlen von sexuellen Opfern im Bereich der Kinder sinken? Frau von Weiler weiß auch darauf eine Antwort. Sexuellen Missbrauch kann als Beziehungstat gesehen werden. Der Täter stammt meistens aus dem Umfeld des Opfers. Kinder fällt es deswegen sehr schwer darüber zu reden. Hinzu kommt die Scham vor der Tat, deswegen bleiben viele Taten vollkommen unaufgeklärt. Selbst wenn die Kinder den Mut aufbringen und mit den Eltern sprechen, werden sie oftmals nur belächelt bzw. die Eltern möchten es bewusst vertuschen, da es um Familienangehörige oder gute Freunde handelt. Auch der Lebenspartner ist bei den betroffenen Fällen sehr häufig involviert. Nicht selten kommt es vor, dass die Mutter des Kindes davon weiß.

Statistiken zeigen nur die Spitze des Eisbergs der sexuellen Übergriffe

Statistiken haben somit nicht die Möglichkeit die gesamte Dimension, da die meisten Betroffenen die heute misshandelt werden, erst in einigen Jahren über diese Tatsache sprechen können, aufzuzeigen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Betroffenen des Canisius-Kollegs oder der Odenwaldschule. Hier wurden die Fälle auch erst Jahrzehnte später bekannt.

Nun stellt sich wiederum die Frage, wie hoch die Dunkelziffern wirklich sind und welche Schicksale sich hinter diesen schlimmen Taten verstecken?

Frau von Weiler wollte auch zu diesem Thema etwas sagen: die Schätzungen in diesem Bereich sind wohl sehr unterschiedlich. Die Multiplikatoren der Zahlen sollen jedoch von 1 zu 5 bis 1 zu 20 reichen. Die Schicksale, die sich dahinter verstecken, sind sehr schlimm. Die Kinder erleiden nicht nur einen körperlichen Schaden, sondern auch einen seelischen. Die Seele des Kindes wird nicht nur verletzt, sondern sie wird für viele Jahre, oftmals bis ins Hohe Alter, traumatisiert.

Neben den hier erschreckenden Zahlen und Folgen ist auch die Zahl für Kinderpornografie gestiegen. Frau von Weiler erklärt dazu, dass es sich hierbei um einen Kontrolldelikt handelt. Grund für diese Annahme ist, dass je mehr die Polizei sucht, desto mehr wird gefunden. Der Missbrauch von Kindern oder die Erniedrigung von Kindern vor der Kamera richtet genauso viele Schäden an wie ein Missbrauch. Kinder werden in diesem „Film“ gefangen und kommen dort nicht mehr heraus. Die Angst, dass diese Aufnahmen entdeckt werden, ist für Kinder das ganze Leben lang präsent.

Als Außenstehender kann man sich diesen Schrecken nur schwer vorstellen. Es ist schlimm und kaum in Worte zu fassen, was Kindern nicht nur in fernen Ländern, sondern auch mitten in Deutschland und vermutlich auch in der Nachbarschaft angetan wird.

Was kannst du dagegen tun?

Bei sexuellem Missbrauch kann man nur die Augen offen halten. Hier sind speziell Berufe, die nahe an Kindern sind, wie beispielsweise Kinderarzt oder Erzieher, gefragt, da sie Kinder täglich sehen und auf Veränderungen des Verhaltens oder blaue Flecken reagieren können. Aber auch als Nachbar und Elternteil sollte man immer genau hinsehen und jegliche Warnhinweise ernst nehmen, insbesondere wenn das Kind davon erzählt.

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