Wie läuft eine Geburt eigentlich genau ab? Jede ist anders – aber sie folgt einem Muster aus vier Phasen. Wer das kennt, geht ruhiger in den Tag und kann besser einordnen, was gerade passiert und wie viel noch kommt.
Woran Du merkst, dass es losgeht
Typische Anzeichen für den nahenden Geburtsbeginn:
- Der Schleimpfropf löst sich, oft mit etwas Blut – die sogenannte Zeichnungsblutung.
- Senkwehen gehen in regelmäßige Wehen über, die stärker und häufiger werden.
- Ein Blasensprung – schwallartig oder als anhaltendes Rinnen.
In die Klinik gehört Ihr bei einem Blasensprung, bei regelmäßigen Wehen im Abstand von etwa fünf Minuten über eine Stunde hinweg, bei Blutungen oder wenn Du deutlich weniger Kindsbewegungen spürst.
Phase 1: Die Eröffnungsphase
Die mit Abstand längste Phase. Der Muttermund öffnet sich von null auf etwa zehn Zentimeter – erst langsam, dann schneller. Bei einer ersten Geburt dauert das oft acht bis zwölf Stunden, bei weiteren Kindern in der Regel deutlich kürzer.
Zwei Dinge, die viele überraschen: Der Weg von null auf fünf Zentimeter dauert meist länger als der Rest. Und die Öffnung verläuft nicht gleichmäßig – Phasen mit schnellem Fortschritt wechseln sich mit Pausen ab. Ein Stillstand über ein paar Stunden ist noch kein Alarmzeichen.
Was in dieser Phase hilft: Bewegung, Positionswechsel, warmes Wasser, Massage. Iss und trink Kleinigkeiten, solange Du kannst – die Eröffnungsphase ist Ausdauersport. Alle Möglichkeiten der Schmerzlinderung stehen im Ratgeber Was hilft gegen Geburtsschmerzen.
Phase 2: Die Übergangsphase
Kurz, aber die intensivste Zeit der Geburt. Der Muttermund öffnet sich vollständig, die Wehen kommen dicht hintereinander. Viele Frauen erleben hier einen emotionalen Tiefpunkt: Übelkeit, Zittern, das Gefühl, nicht mehr zu können, manchmal Wut.
Genau dieses Gefühl ist ein gutes Zeichen. Wer als Begleitperson weiß, dass der Satz „Ich kann nicht mehr“ typischerweise kurz vor dem Ende der Eröffnung fällt, kann in diesem Moment das Richtige sagen: dass es fast geschafft ist. Diese Phase dauert oft nur Minuten bis zu einer knappen Stunde.
Phase 3: Die Austreibungsphase
Mit vollständig geöffnetem Muttermund kommt der Pressdrang – ein reflexartiger Impuls, dem Du folgen darfst. Die Hebamme leitet an, wann Du mitschieben und wann Du atmen sollst, damit der Damm Zeit hat, nachzugeben.
Diese Phase dauert meist zwischen zwanzig Minuten und zwei Stunden, beim ersten Kind länger. Am Ende wird zuerst der Kopf geboren, dann mit der nächsten Wehe der Körper. Viele Frauen empfinden diese Phase als erleichternd, weil sie endlich aktiv etwas tun können, statt Wehen nur auszuhalten.
Was den Damm schützt: eine aufrechte oder seitliche Position, warme Kompressen, langsames Herausatmen in der letzten Phase – und vorbereitend die Dammmassage ab der 36. Woche.
Phase 4: Die Nachgeburtsphase
Nach der Geburt des Kindes folgen nach etwa zehn bis dreißig Minuten noch einmal leichte Wehen: Die Plazenta löst sich und wird geboren. Die Hebamme prüft, ob sie vollständig ist – bleiben Reste zurück, muss das behandelt werden.
Anschließend werden Geburtsverletzungen versorgt, falls nötig. Und dann beginnt das, worauf alles hinauslief: die erste Stunde mit dem Kind auf der Brust. Nutzt sie, wenn es geht – sie fördert die Bindung und den Stillstart. Wie es danach weitergeht, steht im Ratgeber zum Wochenbett.
Wie lange dauert eine Geburt insgesamt?
Bei einer ersten Geburt liegt die Spanne meist zwischen zehn und achtzehn Stunden gerechnet ab regelmäßigen Wehen, bei weiteren Kindern oft bei der Hälfte. Das sind Durchschnittswerte mit großer Streuung – es gibt Geburten in drei Stunden und solche über zwei Tage.
Häufige Fragen zum Geburtsablauf
Wann muss ich in die Klinik?
Als Faustregel bei einem ersten Kind: wenn die Wehen eine Stunde lang alle fünf Minuten kommen und jeweils etwa eine Minute dauern. Bei Blasensprung, Blutung oder weniger Kindsbewegungen sofort – unabhängig von den Wehen.
Was, wenn die Geburt nicht vorangeht?
Ein Geburtsstillstand ist häufig und noch kein Notfall. Oft helfen Positionswechsel, Bewegung oder eine Pause. Bleibt es dabei, gibt es medizinische Möglichkeiten, die das Team mit Euch bespricht.
Kann ich den Ablauf beeinflussen?
In Teilen ja – über die Wahl des Geburtsortes, die Begleitung, die Position und die Schmerzlinderung. Den Verlauf selbst bestimmt der Körper. Ein Geburtsplan ist eine Wunschliste, kein Vertrag.
Was ist eine Sturzgeburt?
Eine sehr schnelle Geburt von unter zwei Stunden. Sie ist selten und betrifft eher Frauen, die schon geboren haben. Falls es dazu kommt: Notruf wählen, hinlegen, das Kind nach der Geburt warm auf den Bauch legen.
