Milchzähne – Mehr als bloße Platzhalter

Vom zahnlosen Lächeln Deines Kindes musst Du Dich recht schnell wieder verabschieden. Die Milchzähne, die etwa ab dem achten Monat durchbrechen, sorgen für schlaflose Nächte, rote Bäckchen und gestresste Eltern. Trotz aller Nebenwirkungen des Zahnens freuen sich Eltern und Kinder gemeinsam über die wachsende Anzahl strahlend weißer Milchzähnchen. Dass diese Zähne die Kinder nicht das gesamte Leben lang begleiten, ist oft Grund dafür, dass sie in ihrer Wichtigkeit unterschätzt werden. Nachlässige Zahnpflege und mangelnde Kontrolle können jedoch auch bei den Milchzähnen schlimme Folgen haben. Rund um die ersten Zähne bis zum Abschied von den „Beißerchen“ vergeht eine lange Zeit, in der Zahnpflege und Zahnarztbesuche zum Pflichtprogramm gehören.

Woher der Begriff „Milchzahn“ stammt

Die Begrifflichkeit des Milchzahns können sich auch Wissenschaftler nur mit Mutmaßungen erklären. Keineswegs scheint es an der milchweißen Farbe der Zähne zu liegen, dass sie so genannt werden. Vielmehr wurde der Begriff „Milchzahn“ im 16. Jahrhundert geprägt, da Babys sich bis zu den ersten Zähnchen von Milch ernährten. Der zeitliche Zusammenhang hat hier also den Namen auf den Plan treten lassen.

Wann sie kommen, wann sie gehen

Stück für Stück füllen die Mundhöhle Deines Kindes etwa ab dem achten Monat immer mehr kleine Zähnchen. Es beginnt mit den Schneidezähnen oben und unten, die bis zum zehnten Monat zu sehen sein sollten. Es folgen jeweils oben und unten zwei Schneidezähne links und rechts der vorhandenen Zähnchen. Im weiteren Verlauf, zwischen 14 und 18 Monaten, kommen die vorderen Backenzähne zum Vorschein. Erst hiernach – zwischen 18 und 24 Monaten – folgen die Eckzähne. Oft ist besonders der Durchbruch der Eckzähne kein Zuckerschlecken für Dein Kind. Zeige Verständnis, wenn es in dieser Zeit besonders weinerlich und anhänglich ist. Zum Schluss, wenn Dein Kind bereits zwei bis zweieinhalb Jahre alt ist, kommen die hinteren Backenzähne. Dein Kind hat nun den Durchbruch aller Milchzähne überstanden. Es verfügt nun über ganze 20 kleine Zähnchen.

Der Abschied von den Milchzähnen erfolgt in der Regel kurz vor dem Schuleintritt. Oft zu beobachten ist es hierbei, dass die Zähne in der bereits bekannten Reihenfolge ausfallen und durch bleibende Zähne ersetzt werden. Hat Dein Kind also den unteren rechten Schneidezahn zuerst bekommen, so stehen die Chancen für diesen Zahn gut, dass er auch als erstes wieder gehen darf. Der Wechsel vom Milchzahngebiss zum Gebiss der bleibenden Zähne zieht sich über einen recht langen Zeitraum hin. Der letzte Milchzahn fällt in der Regel aus, wenn Dein Kind bereits 12 Jahre alt ist. Wie überall kann der Zahnwechsel bei Deinem Kind jedoch ganz individuell geschehen und früher oder auch später beginnen und enden.

Der Zahnarzt und die Milchzähne

Es ist ein gefährlicher Trugschluss, dass der Zahnarzt die Milchzähne nicht begutachten muss. Viele Eltern sehen in der Kontrolle der Milchzähne keinen Sinn, da diese Zähnchen ohnehin wieder ausfallen. Der Zahnarzt jedoch sieht das ganz anders und lädt Kinder schon mit einem Alter von etwa einem Jahr zur ersten Kontrolle ein. Er kann sich so den Kiefer und das Gebiss des Kindes besser betrachten und die Zahnentwicklung von Anfang an verfolgen. Oft ergeben sich hieraus erste Hinweise auf später notwendige kieferorthopädische Maßnahmen, die dann so früh wie möglich erfolgen können.

Besonders wichtig in der Milchzahnzeit ist jedoch die beratende Funktion, die der Zahnarzt erfüllen kann. Er wird Dir erklären, auf welche Dinge Du bei der Zahnpflege besonders achten musst und welche Besonderheiten das Gebiss Deines Kindes aufweist. Auch für Dein Kind sind die Besuche beim Zahnarzt wichtig und sollten in penibler Regelmäßigkeit erfolgen. Die Kleinen können sich so besser an die ungewohnte Situation gewöhnen und entwickeln später keine Angst vor dem Zahnarzt.

Hat Dein Kind dennoch Angst, wenn es den Mund öffnen soll, so darf es während der ersten Untersuchungen sicherlich auf Deinem Schoß sitzen. Zahnärzte sind hier oft sehr einfühlsam und haben Verständnis für kindliche Unsicherheiten.

Die Milchzähne gesund erhalten

Es gibt einige Dinge, auf die das Milchzahngebiss gut und gerne verzichten kann. Selbstverständlich gehören Süßigkeiten und Säfte zum gewöhnlichen Leben, sollten jedoch mit einer gewissen Vorsicht genossen werden. Dein Kind kannst Du durch den sensiblen Umgang mit der Zahngesundheit sehr gut an dieses wichtige Thema heranführen. Geschieht dies schon früh, wird Dein Kind später ein hohes Verantwortungsbewusstsein für seine Zähne entwickeln.

Wie Milchzähne gesund bleiben:

  1. Nicht ständig Süßes anbieten

    Es sind nicht die Süßigkeiten an sich, die den gesunden Zahn gefährden. Oft ist es vielmehr der Umgang mit ihnen. Biete Deinem Kind lieber einmal am Tag fünf Gummibärchen an, als fünf Mal. So konzentriert sich die Zuckerbelastung der Zähne auf nur einen zeitlich begrenzten Moment. Für Dein Kind muss es nach dem Naschen nicht gleich zum Zähne Putzen gehen – das ist selbst für uns Erwachsene ein Ding der Unmöglichkeit. Jüngeren Kindern hilft ein wenig Milch, ältere sind mit einem Zahnpflege-Kaugummi sicherlich mehr als nur einverstanden. Achte jedoch darauf, dass Dein Kind sich an dem Kaugummi nicht verschluckt.

  2. Abschied von der Nuckelflasche

    Das Nuckeln von Säften, Milch und auch Wasser aus der Nuckelflasche ist für die Milchzähne nicht gut. Sie werden durch den gebündelten Durchfluss angegriffen und auch die Form des Saugers kann für Zahnfehlstellungen sorgen. Gewöhne Dein Kind daher schon früh an das Trinken aus einem Becher.

  3. Bye,bye Daumen und Schnulli

    Schlecht für die spätere Stellung der Milchzähne sind ständige Saugbewegungen. Egal, ob Daumen oder Schnuller, das Saugen sollte recht früh ein Ende haben. Auch wenn es spezielle Sauger gibt, die Kinderzähnen weniger schaden, sollte der Abschied noch vor dem Kindergarten erfolgen. Für die Übergangszeit sind spezielle Schnuller empfehlenswert, da sie den Kiefer nicht negativ beeinträchtigen.

  4. Putzen als wichtige Routine

    Damit Dein Kind von Anfang an die Wichtigkeit des Zähneputzens versteht, solltest Du das Putzen regelmäßig durchführen. Drei Mal am Tag ist gemeinsames Putzen bis zum Schulalter Pflicht. Anschließend wird Dein Kind zunehmend selbständiger und kann die richtigen Putztechniken bereits eigenständig durchführen.

Wie das Milchzahngebiss geputzt werden sollte

Es gibt die sogenannte „KAI“-Methode, nach der Kinder heute das Zähneputzen erlernen. Oft wissen Eltern selbst nichts von dieser besonderen Praktik, bis das Kind im Kindergarten zum ersten Mal Besuch von einer Fachkraft bekommt. In vielen KiTas kommen diese „Zahnfeen“ als Abgesandte des Gesundheitsamtes, um Kinder über Mundhygiene und Zahnpflege aufzuklären. Die KAI Methode wird dann häufig an einem großen Gebiss geübt.

Was ist die KAI Methode eigentlich?

Diese Frage lässt sich beim näheren Blick auf das Gebiss leicht beantworten. Es finden sich hier sowohl Kauflächen als auch Außenflächen und Innenflächen. Diese drei Bereiche werden nacheinander geputzt, sodass am Ende ein strahlendes Milchzahngebiss herauskommt. Etwa eine Minute pro Buchstabe wird empfohlen.

Du solltest Deinem Kind das Zähneputzen bis zu einem Alter von etwa sieben Jahren nicht selbst überlassen. Lass es ruhig vorputzen, denn so übt es das alltägliche Prozedere am effektivsten. Nach dem Putzvorgang solltest Du jedoch noch einmal gründlich nachputzen, um mögliche Verunreinigungen restlos entfernen zu können.

Die richtigen Utensilien für Milchzähne

Das Milchzahngebiss ist etwas ganz besonderes und sollte entsprechend behandelt werden. Der Gebrauch spezieller Zahncremes und altersgerechter Zahnbürsten ist hier das A und O für eine gesunde und effektive Zahnpflege. Du solltest gelegentlich die aktuellen Testberichte für Kinderzahncremes etwas genauer unter die Lupe nehmen, da sich hier oft Hinweise auf empfehlenswerte Produkte finden lassen. Zahnbürsten und Zahnpasta für das Milchgebiss sind in keinem Fall Artikel, an denen gespart werden sollte.

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