Das Wochenbett – Eine Zeit der Gewöhnung

Viele glauben, nach der Geburt des Babys sei die größte Anstrengung bereits vollbracht. Was Schmerzen und körperliche Kraft betrifft, mag das vielleicht sogar stimmen, im Wochenbett jedoch sind andere Dinge gefragt. Diese Zeit nach der Geburt, die etwa sechs bis acht Wochen dauert, ist eine besonders sensible und anstrengende Phase. Immerhin ist ein neuer Erdenbürger in Deine Familie gekommen, auf den sich nun alle einstellen müssen. Das gilt sowohl für das erste Kind als auch für alle weiteren. Das Wochenbett gliedert sich in zwei Phasen, das frühe und das späte Wochenbett. Nicht nur körperlich, sondern auch seelisch zeigen die beiden Phasen deutliche Unterschiede.

Was passiert im Frühwochenbett?

Das Frühwochenbett dauert zehn Tage. Diese Zeit dient vor allem der Rückbildung der Gebärmutter und der Stärkung von Körper und Geist. Die kräftezehrende Geburt steckt Dir nun möglicherweise noch in den Knochen. Ruhe und Erholung brauchst Du in den ersten zehn Tagen des Wochenbetts also unbedingt. Während Du also sanft wieder auf die Beine kommst, sollte sich eine dritte Person um Haushalt und Co kümmern. Dies kann Dein Partner sein, jedoch auch Freunde oder Eltern sind in der ersten Zeit nach der Geburt als Helfer gerne gesehen.

Was passiert im Spätwochenbett?

Ab dem elften Tag des Wochenbetts befindest Du Dich im sogenannten Spätwochenbett. Deine Gebärmutter hat nun weitestgehend wieder ihre gewöhnliche Größe erreicht, die Geburtswunden sind allmählich verheilt und Du genießt die wiederkehrende Energie. Keinesfalls jedoch ist es Dir in dieser Phase möglich, einen kompletten Haushalt alleine zu managen. Kinder, Einkäufe und Putzaufgaben solltest Du nach wie vor sparsam dosieren, um Dich nicht zu überfordern. Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst und habe kein schlechtes Gewissen dabei.

Die Traurigkeit im Wochenbett

Es kann passieren, dass die erste Zeit mit Baby nicht so glückselig verläuft, wie Du es Dir erhofft hast. Statt mit rosigen Wangen lächelnd im aufgepolsterten Bett zu liegen, sitzt Du möglicherweise weinend an der Bettkante und bist einfach nur traurig und verzweifelt. Manche Mütter fragen sich in dieser Zeit, ob sie ihr Kind überhaupt lieben können. Alles scheint furchtbar schwer. Ursache für diese leichte Depression nach der Geburt sind sowohl die Hormone als auch die Psyche allgemein. Die Umstellung auf ein neues Leben fällt nicht jeder Frau gleichermaßen leicht. Manche tun sich extrem schwer, sich die Mutterrolle anzueignen.

Solltest auch Du mit starken psychischen Problemen während des Wochenbetts zu kämpfen haben, sprich unbedingt mit Deinem Arzt darüber. Es ist keine Schande, dass Du in einer so einschneidenden Phase Deines Lebens den Mut zu verlieren drohst.

Wie das Wochenbett gelingt

Damit die Zeit des Wochenbetts für Dich und Dein Baby so angenehm wie möglich wird, gibt es einige Punkte zu beachten. Versuche so viel Entspannung wie möglich in den Alltag zu bringen. Dies erleichtert nicht nur Deinem Baby seinen Weg in die Welt, sondern auch Dir Deinen Weg in die Mutterrolle. Weitere Aspekte, die für ein schönes Wochenbett wichtig sind:

  • Besuch ist im Wochenbett nicht immer schön, sondern kann zu einer großen Anstrengung werden. Insbesondere nach der Geburt eines Kindes kann es jedoch sein, dass ständig neue Leute vor der Tür stehen und „Baby gucken“ wollen. Ziehe hier klare Grenzen und mache Deinen Standpunkt deutlich. Der Besuch kann sicherlich noch ein paar Tage warten, bis Du Dich wieder fit und gestärkt fühlst.
  • Achte während des Wochenbetts auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Direkt nach der Geburt mit einer Diät zu beginnen, wäre falsch. Dein Körper benötigt in dieser Phase viel Energie, um sich von den Strapazen der Geburt zu erholen. Kannst Du selbst nicht kochen, weil Dir die Kraft dazu fehlt, lass Dich ruhig verwöhnen – Du hast es verdient!
  • Halte Dich während des Wochenbetts so oft wie Du es möchtest auf der Couch oder im Bett auf. Es ist Dein gutes Recht, Dich so lange wie nötig zu erholen.
  • Achte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Ungesüßter Tee und Wasser eignen sich besonders gut und sind gesünder als Softdrinks. Stillst Du, solltest Du keinen Salbeitee trinken, da dieser abstillende Wirkung hat.
  • Ein ständig klingelndes Telefon kannst Du mit einem Anrufbeantworter zum Schweigen bringen. Wer sich melden möchte, kann eine kurze Nachricht hinterlassen. Sobald Du die Zeit und Kraft findest, kannst Du entspannt zurückrufen. Stelle den Anrufbeantworter ruhig so ein, dass er schon nach wenigen Klingeltönen anspringt.
  • Um deinen Beckenboden zu entlasten, drehe Dich vor dem Aufstehen stets auf die Seite. So schaffst Du nicht nur eine Entlastung, sondern trainierst auch Deine Bauchmuskulatur ein wenig.
  • Um den Wochenfluss so angenehm wie möglich zu gestalten, gehe häufig auf Toilette und wasche Deine Scheide mit klarem Wasser ab. So fühlst Du Dich frischer und gewährleistest eine hygienische Sauberkeit. Die Verwendung von Binden aus möglichst natürlichen Materialien ist zu empfehlen.
  • Die ersten Nächte überstehst Du mit einem kleinen Nachtlicht besonders gut. Das Stillen oder Füttern ist in der ersten Zeit noch etwas ungewohnt, weswegen eine Lichtquelle notwendig sein wird. Mit einem gedimmten Nachtlicht hast Du alles im Blick und weckst den Rest der Familie nicht auf.
  • Leidest Du während des Wochenbetts unter der Dammverletzung der Geburt, so kannst du diese schonend kühlen. Beauftrage Deinen Partner mit dem Kauf von Luftballons. Diese füllt ihr mit wenig Wasser und friert sie ein. Anschließend kannst Du diese Mini-Kühlkissen zur Linderung der Schmerzen verwenden.
  • Sex während des Wochenbetts ist nicht unbedingt ratsam. Auch wenn Dein Partner und Du längere Zeit enthaltsam leben müsst, solltet ihr Deinem Körper Zeit geben. Die Rückbildung ist schon bald abgeschlossen und Ihr könnt Euch als Liebespaar neu entdecken.

Sei mit Deinem Körper in der Zeit des Wochenbetts keinesfalls ungeduldig. Er hat immerhin in den letzten zehn Monaten ein Kind genährt und zur Welt gebracht. Dass nach zwei Wochen nicht wieder alles so sein kann wie vorher, liegt auf der Hand. Mit Geduld und vor allem gesunder Selbstliebe findest Du bald wieder zu alter Form zurück.

 

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