Abpumpen – Wie Du einen Milchvorrat anlegst

Das Stillen ist eine intime und liebevolle Angelegenheit. Da es jedoch auch zeitraubend und anstrengend sein kann, beginnen viele Frauen früher oder später mit dem Abpumpen ihrer Muttermilch. Diese Möglichkeit bietet viele Vorteile. So kann die abgepumpte Milch im Tiefkühlfach des Kühlschranks aufbewahrt und bei Bedarf aufgetaut werden. Bist Du einmal nicht direkt greifbar, weil Du vielleicht gerade schläfst oder Dir eine wohlverdiente Auszeit nimmst, kann Dein Partner den kindlichen Hunger eigenständig stillen. Frauen, die früh wieder in den Beruf einsteigen, sind ebenfalls auf das Abpumpen angewiesen, sofern sie nicht abstillen wollen. Für das Abpumpen selbst stehen Dir mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Welche Du wählst, hängt ganz von Deiner individuellen Situation ab.

Das Abpumpen von Milch kann den Milchfluss zusätzlich anregen. Dies ist vor allem dann angezeigt, wenn die Milchproduktion nur schleppend anläuft. Wird regelmäßig abgepumpt, steigert sich auch die produzierte Menge mit der Zeit.

Wie die Milch abgepumpt wird

Aus mehreren Varianten können Frauen im Thema Abpumpen wählen. Während die Entnahme der Milch nur mit der Hand eher umständlich ist, bieten die elektrische Milchpumpe und die Handpumpe Komfort und Effektivität.

…mit der Hand

Du kannst ganz ohne Pumpe und Zubehör Milch aus deinen Brüsten gewinnen, indem Du sie sanft ausstreichst. Die spezielle Bewegung, die hierfür notwendig ist, braucht ein wenig Übung, geht im Laufe der Zeit jedoch immer leichter von der Hand. Hierzu umfasst Du Deine Brust sowohl oberhalb als auch unterhalb der Brustwarze und streichst sanft von hinten nach vorne. Hältst Du einen gewissen Rhythmus, tropft schon bald die erste Milch. Fakt ist jedoch, dass das Ausstreichen langsam geht und nicht besonders ergiebig ist. Milchvorräte im großen Stil wirst Du mit dieser Methode weniger anlegen können. Um einen Überschuss an Milch aus der Brust zu streichen, eignet sich das manuelle Verfahren jedoch ganz wunderbar. Ein Milchstau lässt sich so gut verhindern.

…mit der Handpumpe

Es gibt verschiedene Handpumpen, mit denen Du die Muttermilch manuell in ein Fläschchen oder einen Beutel leiten kannst. An der Brust wird bei der Handpumpe ein großer Saugnapf angebracht, der mit dem Pumpsystem verbunden ist. Du kannst nun mit der Hand rhythmisch einen Unterdruck erzeugen, der die Milch aus der Brustwarze fließen lässt. Die frische Muttermilch fließt dann in ein entsprechendes Behältnis und kann aufbewahrt werden. Die Anwendung der Handpumpe erfordert einige Übung. Anfangs wird es Dich Zeit und Geduld kosten, bis eine akzeptable Menge Muttermilch im Fläschchen ist. Mit fortschreitender Erfahrung wirst Du jedoch immer schneller und kannst bald schon einen ansehnlichen Vorrat für Ausnahmesituationen anlegen.

…mit der elektrischen Pumpe

Die elektrische Milchpumpe ist für die regelmäßigen Abpumperinnen gedacht, die große Mengen Milch aufbewahren wollen. Steigst Du wieder in den Job ein und kannst große Teile des Tages nicht bei Deinem Baby sein, wird eine solche Pumpe die richtige Wahl sein. Aufgrund des elektrischen Antriebs funktioniert die Milchpumpe schnell und arbeitet sehr effizient. Dies lassen sich die Hersteller dieser Pumpen teuer bezahlen. Eine Pumpe für den Privatgebrauch musst Du jedoch glücklicherweise nicht kaufen, sondern kannst sie in der Apotheke mieten. Die Miete für eine Milchpumpe musst Du nicht selbst tragen. Ein Rezept Deines Frauenarztes oder auch Deines Kinderarztes genügt für eine Kostenübernahme seitens der Krankenkasse.

Zeitpunkt und Menge

Große Mengen Muttermilch auf einmal wirst Du auch mit einer professionellen Milchpumpe nicht ans Tageslicht fördern können. Empfehlenswert ist es daher, mehrmals am Tag abzupumpen und eine Menge von 20 bis 30 Millilitern pro Pumpvorgang anzustreben. Stillst Du nebenbei, so ist der richtige Zeitpunkt für das Abpumpen keineswegs kurz vor den Mahlzeiten Deines Babys. Besser ist es, nach dem Stillen die Milch abzupumpen, die Dein Kind übrig gelassen hat. Hast Du ein besonders hungriges Baby, so nutze die Pausen zwischen den Stillvorgängen, um einen Milchvorrat abzupumpen.

Wie das Abpumpen gelingt

Wie bereits erwähnt, ist das Abpumpen nicht so einfach, wie es sich viele Frauen vorstellen. Den Milchspendereflex auszulösen, bedarf einiger Übung. Nimm Dir daher stets Zeit für das Abpumpen und gedulde Dich. Habe Vertrauen in Deine Fähigkeiten und früher oder später werden sich Erfolge einstellen. Die folgenden Tricks erleichtern Dir das Abpumpen von Muttermilch:

  • Mit einem Kirschkernkissen oder einer Wärmflasche auf der Brust fließt die Milch beim Abpumpen bereitwilliger.
  • Besorge Dir ein Fenchel-Kümmel Öl und massiere Deine Brüste damit vor dem Abpumpen.
  • Lehne Dich entspannt zurück und schaffe eine gelassene Atmosphäre. So spenden Deine Brüste bereitwilliger Milch.
  • Versuche, während des Abpumpens einen gewissen Rhythmus zu finden. Zumeist erleichtert das den Vorgang.
  • Teste ruhig mehrere Milchpumpen, bis Du das richtige Modell für Deine Bedürfnisse gefunden hast.
Trick 17:  Es mag komisch klingen, ein absolut sicherer Trick für das Auslösen des Milchspendereflexes ist jedoch das Betrachten Deines Babys. Manchen Frauen genügt schon ein Foto ihres Kindes, um die Milch bereitwillig fließen zu lassen. Auch Babyschreie lösen den Milchfluss bei einer großen Anzahl stillender Mütter aus. Besorge Dir ein Foto Deines Babys oder nimm sein Schreien auf Tonband auf. Mit diesen beiden Geheimwaffen gelingt Dir der Einstieg in das Abpumpen bestimmt.

Die Aufbewahrung

Abgepumpte Milch solltest Du nicht bei Raumtemperatur aufbewahren. Sie gehört in den Kühlschrank. Ihre Haltbarkeit beträgt bei einer Temperatur von vier Grad Celsius etwa drei bis fünf Tage. Für den kurzfristigen Gebrauch genügt es also, die Milch in den Kühlschrank zu stellen. Soll die Muttermilch jedoch länger halten, solltest Du sie einfrieren. Die gefrorene Milch kannst Du dann ein halbes Jahr lang aufbewahren.

Gut zu wissen: Pumpst Du bereits die Übergangsmilch ab, verbrauche diese möglichst schnell wieder. Hat Dein Körper einmal auf Reife Milch umgestellt, wird Dein Baby die Übergangsmilch nicht mehr trinken wollen. Das Abpumpen wäre in diesem Fall umsonst gewesen.

Damit Du den Überblick über deinen Milchvorrat behältst, beschrifte alle Beutel und Fläschchen, in denen Du Muttermilch einfrierst. Verwende hierfür unbedingt einen wasserfesten Marker.  Das Datum genügt. Ganz nach dem „First in, first out“ Prinzip kannst Du dann die Milchbeutel zuerst verwenden, die schon am längsten im Gefrierfach liegen.

Wichtig: Verwende für die abgepumpte Milch ausschließlich sterile Behälter. Es gibt spezielle Beutel, die Du in der Apotheke erstehen kannst. Nutzt Du ein Fläschchensystem zur Aufbewahrung, stelle die Keimfreiheit jedes einzelnen Fläschchens vor dem Abpumpen sicher.

 

Die Zubereitung

Gefrorene Muttermilch ist viel zu kalt für Dein kleines Baby. Wie auch die Milch aus der Brust sollte die abgepumpte Milch angenehm temperiert sein. Die optimale Temperatur für Milch aus der Flasche liegt bei 37 Grad Celsius. Besorge Dir ein Flaschenthermometer, um die Temperatur im Auge behalten zu können.

Am sinnvollsten ist es, die gefrorene Milch schon am Vortag aus dem Gefrierfach zu nehmen und in den Kühlschrank zu stellen. Etwa 24 Stunden später ist sie flüssig und kann im Wasserbad schonend erwärmt werden. Stelle die Muttermilch niemals in die Mikrowelle, da hierbei wichtige Nährstoffe zerstört werden.

Im Löffel oder aus dem Fläschchen

Stillst Du Dein Baby überwiegend und soll die abgepumpte Milch nur für gelegentliche Situationen dienen, wird Deine Hebamme möglicherweise von der Gabe eines Fläschchens abraten. Grund hierfür ist die sogenannte Saugverwirrung, bei der Dein Baby nach dem Fläschchen die Brustwarzen möglicherweise nicht mehr akzeptiert. Für stillende Mütter kann dies zum Problem werden.

Eine Alternative zum Fläschchen stellt das Füttern vom Löffel oder aus einem kleinen Becher dar. Diese Praktik erfordert einige Übung, gelingt dann jedoch leicht. Deine Hebamme wird Dir sicherlich behilflich sein, diese Fütter-Methode zu erlernen.

Die Gefahr einer Saugverwirrung ist gering, wenn Du Dein Baby sechs Wochen lang konsequent gestillt hast. Ab dieser Zeit kannst Du die angepumpte Milch ohne Bedenken auch aus dem Fläschchen geben. Verwende hierfür am besten einen Sauger, der der menschlichen Brustwarze ähnlich ist.

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