Die Lebensumstände der Schwangerschaft sind eine Blaupause für das sich entwickelnde Kind

Hochschwangere Frau unter der Dusche© Iakov Filimonov - shutterstock.com

Die heile Welt eines Fötus ist nicht immer so still, dunkel, geschützt und abgeschirmt, wie manche vielleicht meinen. Die Art und Weise, wie sich die Mutter vor und während der Schwangerschaft verhält, ist maßgeblich entscheidend für die gesunde Entwicklung des Kindes einschließlich des Geburtsverlaufs. Die Grundlagen für viele spätere Leiden werden bereits im Mutterleib angelegt. So hinterlassen besonders eine falsche beziehungsweise ungesunde Ernährungsweise der Mutter, aber auch viel Stress, tiefe und nachhaltige Spuren beim Kind, auch psychisch.

Aus diesen Gründen ist die Lebensweise der Mutter vor, während und nach der Schwangerschaft prägend für alle Startbedingungen eines Kindes in sein neues Leben. In Medizin und Psychologie gibt es auch dafür einen sehr treffenden Begriff: die „pränatale Programmierung“. Ganz neu sind all diese (wissenschaftlichen) Erkenntnisse nicht. Hebammen konnten schon immer lange und schauerliche Geschichten erzählen über die Auswirkungen mütterlichen „Fehlverhaltens“ auf deren Säuglinge.

Übergewicht schadet dem Kind

Es wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen, dass die Kinder von übergewichtigen Frauen mit signifikant erhöhter Wahrscheinlichkeit ebenfalls übergewichtig werden. Ein solcher Zusammenhang lässt sich auch direkt auf das Diabetesrisiko überragen, denn die gestörte Insulinproduktion der Mutter überschwemmt das Ungeborene immer wieder mit zu großen Zuckermengen.

An welchen Richtwerten kann man sich orientieren?

Mit Blick auf das Zusammenwirken zwischen dem Ausgangsgewicht und der Zunahme während der Schwangerschaft gibt das Institute of Medicine (IOM) die folgenden hilfreichen Hinweise:

  • Sehr schlanke und fast untergewichtige Frauen dürfen in der Schwangerschaft so richtig zulegen, hier wird eine Gewichtszunahme von 12,5 bis 18,1 kg sogar empfohlen.
  • Alle Frauen mit Normalgewicht sollten sich beim Zunehmen im Rahmen von 11,5 bis 16 kg bewegen.
  • Die vielen Frauen mit moderatem Übergewicht haben es nicht nötig, sich mit dem Zunehmen hervorzutun, es reichen 7 bis 11,5 kg.
  • Stark übergewichtige Frauen sollten nicht mehr als 9 kg zunehmen.

Mithilfe des Arztes Risiken minimieren

Wenn eine Frau mit Übergewicht ihre Schwangerschaft plant, so der ärztliche Rat, sollte sie möglichst schon im Vorfeld ihr Gewicht etwas reduzieren. Das ist leicht gesagt, aber schwer getan. Deshalb möchten wir mit diesem Artikel etwas motivierende Ordnung in die Gedanken über Gewicht, Ernährung, Schwangerschaft, Geburt und Kindesentwicklung bringen.

Jedes Baby freut sich über eine ausgewogene gesunde Ernährung

Und damit ist zunächst die Ernährungsweise der Mutter gemeint. Eine nicht ausreichende Versorgung des Embryos mit Vitalstoffen wirkt sich in der Regel lebenslänglich auf das Kind und später auch im Erwachsenenalter negativ aus. Kinder übergewichtiger Mütter werden selbst wieder mit hoher Wahrscheinlichkeit Schwergewichte. Aber die „Abbildung“ gilt offenbar auch am anderen Ende der Gewichtsskala.

In einer britischen Studie wird konstatiert: Kinder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 2.500 Gramm neigen später zu Adipositas (Fettleibigkeit) und in der Folge vermehrt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck. Eine mögliche Erklärung findet sich darin, dass besonders kleine Babys schon immer gern „hochgepäppelt“ wurden, was aber eher ein Fehler ist, da der kleine Körper so auf eine sehr schnelle Kalorien­aufnahme „programmiert“ wird.

Wenn schwangere Frauen zu wenig essen, hat das negative Auswirkungen auf ihre noch ungeborenen Kinder. Das betrifft insbesondere die Reifung des Gehirns, und das kann Konsequenzen haben. Ein großer Teil dieser Nervenzellen entwickelt sich bereits in der ersten Schwangerschaftshälfte. Insofern ist gerade die erste Hälfte der Schwangerschaft ein „kritisches Zeitfenster“ mit Blick auf die Neuronenbildung. Bei genauerer Betrachtung geht es weniger um die einzelnen Nervenzellen als um deren Vernetzung im Gehirn, die die Voraussetzung für Intelligenz und die Fähigkeit ist, auch in Stresssituationen schnell die richtige Entscheidung treffen zu können.

Früher war die Meinung verbreitet, dass sich das ungeborene Kind gegebenenfalls auf Kosten der Mutter schon holt, was es braucht. So ist es aber nicht. In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass Kinder von schlecht ernährten Müttern ein signifikant größeres Risiko für kognitive Defizite und Verhaltensstörungen zeigen. Trotzdem sind die morgendliche Appetitlosigkeit und Übelkeit bei schwangeren Frauen kein Grund zur Panik. Der restliche Tag bietet noch genug Gelegenheit, Mutter und Kind ausreichend zu versorgen.

Schadstoffe und Stress sind gleichermaßen giftig für das Ungeborene

Das Kind im Mutterleib registriert jede Gefühlsregung seiner Mama. Glück oder Unglück, Angst, Wut oder Freude beeinträchtigen unter anderem ihren Herzschlag, ihren Blutdruck oder ihren Hormonhaushalt. Auch das Stresshormon Adrenalin wird dann dem winzigen Körper via Nabelschnur direkt in alle Zellen gepresst. Eine typische Folge kann eine Frühgeburt sein. Auch dieses Themas haben sich viele Studien angenommen und kamen unisono zu dem Ergebnis, dass Babys von gestressten Müttern schlecht durchschlafen, viel schreien und auch oft unter schmerzhaften (nervösen) Verdauungsstörungen leiden.

Drogen, Nikotin und Alkohol schädigen das Nervensystem des Embryos in ganz ähnlicher Weise wie einschneidende, schicksalhafte Belastungen der Mutter und hinterlassen im Gehirn des Kindes tiefe „Narben“.

Die Eltern bestimmen die Entwicklung des Kindes

Die Formel dafür, wie sie das machen, ist einfach: „Je besser es Mama geht, desto besser hat es das Kind.“ Dies gilt ganz universell vor, während und nach der Schwangerschaft. In alten indi­schen Schriften stoßen wir auf die Anweisung, dass sich schwangere Frauen nur mit schönen Dingen beschäftigen sollen. Der mentale Einfluss der Mutter auf ihr ungeborenes Kind ist offenbar seit alters her bekannt.

Ungefähr ab dem sechsten Monat werden Stöße, Impulse, Drücke, Vibrationen, Beschleunigungen, Temperaturänderungen oder auch laute Geräusche vom ungeborenen Kind sehr wohl vernommen. Die Wahrnehmung der Außenwelt erfolgt also nicht erst ab der Geburt, was Dir eine sehr frühe Kommunikation mit Deinem Kind eröffnet. Es ist plausibel, dass ein ruhiger Herzschlag das Kind besser schlafen lässt, das gilt auch für die mehr oder weniger starken Geräusche, die Dein Verdauungssystem zuweilen produziert. Auch Deine Sprache sowie Musik werden vom Kind im Mutterleib schon deutlich wahrgenommen. Vielleicht legst Du doch lieber ein Menuett von Mozart auf und die AC/DC-Platte zur Seite?

Es besteht kein Grund, sich verrückt zu machen

Selbstverständlich hält es Dein Kind aus, wenn Du mal traurig bist. Du brauchst Dich um Deine Empfindungen nicht selbst belügen, nur damit Deinem Kind kein Leid geschieht. Das würde nicht funktionieren. Das neue Leben wird sich ohnehin bald eigenständig entwickeln, vielleicht mehr, als es Dir lieb ist. Das soll ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl auf die spätere Pubertät sein. Am Ende hast Du es nur wenig in der Hand, welche (unerwarteten) charakterlichen Eigenschaften Dein Kind entwickeln wird, und mit welchen Krankheiten es vielleicht zu kämpfen hat.

Freue Dich auf das neue Leben, das sich in Deinem Bauch entwickelt, und versuche, es mit Deinem täglichen Verhalten, so gut es eben geht, zu beschützen.

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