Der Verzehr der eigenen Plazenta – Ein neuer Trend

Hebamme zeigt die vollständige, geborene Plazenta© nata-lunata - shutterstock.com

Hollywood Stars schwören darauf und in den USA ist es zum regelrechten Trend geworden. Die Rede ist vom Verzehr der eigenen Plazenta. Angeblich soll die Plazenta nach der Geburt nicht nur jung halten und eine schöne Haut hinterlassen. Gerüchten zufolge sollen noch zahlreiche andere gesundheitliche Aspekte bei dem Verzehr der eigenen Plazenta vorhanden sein.

Beobachtet man den Trend in den USA, dann ist die Zahl der gerade frischgebackenen Mütter erschreckend, die diesem doch sehr skurrilen Trend folgen, gigantisch und auch in Deutschland wollen immer mehr Frauen diesem Trend folgen. Hält man aber einen Moment inne, dann sollte man sich fragen, was für gesundheitliche Aspekte wirklich hinter diesem Trend liegen und ob man als Mutter diesen Verzehr gutheißen sollte.

Was macht die Plazenta eigentlich?

Schwangere unter uns werden es wissen, denn die Plazenta ist ein wichtiger Teil zur Versorgung des Babys in der Schwangerschaft mit Nährstoffen. Zusätzlich hat die Plazenta die Aufgabe das Kind vor schädlichen Umwelteinflüssen zu schützen. Bei der Geburt ist die Plazenta ungefähr 500 Gramm schwer und besitzt eine Größe von gut 20 Zentimetern.

Viele werden sich nun die Praktik, die hinter dem Verzehr der Plazenta (Plazentophagie) steckt, vorstellen und angewidert mit dem Kopf schütteln. Andere unter uns werden diesem Trend folgen. Immerhin machen es die Stars ja auch!

Die Liste der Wunder, die eine Plazenta auch nach der Geburt noch vollbringen soll, ist lang und zahlreiche Anhänger in der ganzen Welt sehen die Plazenta einer Frau als wichtiges Heilungsmittel bei unterschiedlichen Erkrankungen. Betrachtet man die Hintergründe die Stars und Sternchen besitzen, dann geht es hauptsächlich um eine rosige Haut oder ein junges Aussehen. Neben diesen Wundern soll der Verzehr der Plazenta die Bindung zwischen Mutter und Kind ebenfalls fördern. Erwiesen ist davon leider nichts.

Die Plazenta hat einen besonderen Stellenwert

Betrachten wir einmal nicht nur unser Volk, sondern lassen die Gedanken einmal in entfernte Gegenden der Erde streifen. Es gibt viele Völker, die in der Plazenta mehr sehen als einfach nur die Nachgeburt. In deutschen Kliniken ist es üblich, die Plazenta nach der Geburt zu entsorgen. In anderen Ländern beispielsweise Ägypten wird die Plazenta beerdigt. Ebenso handeln die Völker in China und in Asien. Für die Beerdigung der Plazenta gibt es einen Grund: Die dort ansässigen Völker vermuten, dass in der Plazenta ein Stück der Seele des Menschen sitzt.

Anfang der 80er kam dann in Deutschland und auch in den USA ein neuer Trend auf. Kosmetikprodukte mit einem Plazentaanteil. Doch schon bald verschwanden diese Produkte und um die Plazenta war in unseren Regionen lange Ruhe.

Ein neuer Trend aus Deutschland – die Plazenta Globuli

In Deutschland gibt es neben dem Verzehr der Plazenta noch einen anderen Trend, den wir hier für dich schnell einmal aufleuchten lassen wollen. Viele Mütter lassen aus der Plazenta sogenannte Globuli herstellen. Das sind kleine Streukügelchen, die später dem Kind auf homöopathische Weise verabreicht werden können. Auch hier soll ein gesundheitlicher Aspekt dahinter stecken, wobei dieser ebenfalls nicht erweisen ist und von vielen als reine Geldmacherei angesehen wird.

Die nüchterne Wahrheit über die angebliche Wunderplazenta

Junge Haut, Abwehrkräfte, Heilung von Depressionen, bessere Muttermilch und eine bessere Mutter-Kind-Bindung – das ist es was der Verzehr der Plazenta bewirken soll. Auf den ersten Blick sind das alles richtig gute Vorteile, die du dir nicht entgehen lassen solltest. Hier ist jedoch nochmals anzumerken, dass die Vorteile nicht bewiesen sind und reine Vermutungen. Doch kommen wir nun einmal zu den Nachteilen, die ein solcher Verzehr haben kann.

Wissenschaftler haben mit zahlreichen Tests und Forschungen herausgefunden, dass der Verzehr der Plazenta, beispielsweise in Pillenform, nicht schädlich ist, aber auch keinen gesundheitlichen Aspekt bringt. Grundsätzlich solltest du daran denken für was die Plazenta in der Schwangerschaft zuständig ist: Sie filtert die schädlichen Stoffe und hält diese fest.

Das bedeutet, die Plazenta kann nach der Geburt mit zahlreichen Schadstoffen behaftet sein. Der Verzehr könnte also belastend sein, auch für dein Kind, wenn es diese Schadstoffe; die während der Schwangerschaft bewusst aus der Nahrung gefiltert wurden, mit der Muttermilch wieder aufnimmt. Und das nur, weil einige Hollywood Star die eigene Plazenta verzehren.

Willst auch du deinem Kind etwas Gutes tun, dann ernähr dich nach der Schwangerschaft gesund, anstatt diesem Trend zu folgen. Aus unserer Sicht gibt es keinen Vorteil, der dafür spricht. Nicht einmal rein gefühlte Effekte, wie beispielsweise die nähere Bindung zwischen Mutter und Kind, sind wirklich feststellbar.

Die Tradition, die Plazenta zu begraben und darauf einen Obstbaum zu pflanzen klingt doch deutlich romantischer. 🙂

 

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