Wehen gehören zur Geburt dazu – aber Du bist ihnen nicht hilflos ausgeliefert. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, den Schmerz zu lindern: von der Atmung über Wärme, Bewegung und Massage bis zur Periduralanästhesie. Die meisten davon lassen sich kombinieren, und keine davon musst Du vorher festlegen.
Hier findest Du alle Methoden im Überblick – was sie bewirken, wann sie sinnvoll sind und was Du dafür vorbereiten kannst.
Warum Entspannung die wirksamste Grundlage ist
Je entspannter Du unter der Geburt bist, desto leichter kann Dein Körper arbeiten. Anspannung und Angst verstärken den Schmerz dagegen messbar – ein Kreislauf, der sich selbst antreibt: Angst führt zu Verspannung, Verspannung zu mehr Schmerz, mehr Schmerz zu mehr Angst.
Deshalb sind die scheinbar „weichen“ Methoden keine Nebensache. Sie setzen genau an der Stelle an, an der der Schmerz entsteht und verstärkt wird.
Eine Umgebung, in der Du loslassen kannst
Gedämpftes Licht und eine ruhige Atmosphäre helfen den meisten Frauen mehr, als sie vorher glauben. Vertraute Musik oder Naturgeräusche lenken ab und beruhigen – eine eigene Playlist ist deshalb kein Luxus, sondern ein Werkzeug. Wärme entspannt die Muskulatur, etwa durch eine Wärmflasche, ein Kirschkernkissen oder warmes Wasser.
Atmung und mentale Techniken
Eine ruhige, tiefe Atmung ist die Methode, die Dir in jeder Geburtsphase zur Verfügung steht und nichts kostet. Wichtig ist vor allem eine lange Ausatmung – sie signalisiert dem Körper Entwarnung.
Dazu kommen Techniken, die den Kopf beschäftigen: Visualisierungen, Achtsamkeitsübungen oder Methoden des Hypnobirthing. Viele Frauen bleiben damit deutlich gelassener. Der Effekt ist am größten, wenn Du sie nicht erst im Kreißsaal zum ersten Mal ausprobierst – ein Geburtsvorbereitungskurs ist dafür der richtige Ort.
Bewegung und Position
Aufrechte Positionen nutzen die Schwerkraft und geben dem Kind mehr Raum, sich zu drehen. Vielen Frauen tut es gut, zwischen Positionen zu wechseln, statt eine „richtige“ zu suchen: Gehen, Wiegen im Stehen, Vierfüßlerstand, Sitzen auf dem Gymnastikball oder Hängen an einem Seil.
Der Grundsatz ist einfach: Was sich in diesem Moment gut anfühlt, ist richtig. Der Körper sucht sich unter der Geburt oft von selbst Positionen, die er sonst nie einnehmen würde – lass ihn.
Massage und Gegendruck
Eine Massage kann unter der Geburt erstaunlich viel bewirken: Sie löst Verspannungen, lindert den Wehenschmerz und vermittelt Geborgenheit. Das Schöne daran ist, dass die Begleitperson sie übernehmen kann – und damit eine echte Aufgabe hat.
Wo es am meisten hilft: Besonders wohltuend sind Massagen im unteren Rücken und am Kreuzbein, wo viele Frauen den Wehenschmerz am stärksten spüren. Ein fester Gegendruck mit der Handfläche oder der Faust während der Wehe – die sogenannte Gegendruck-Technik – kann den Schmerz spürbar dämpfen. Fest ist hier tatsächlich besser als sanft.
In den Pausen: Zwischen den Wehen tun ruhige, streichende Bewegungen an Rücken, Schultern oder Füßen gut. Sie helfen, locker zu lassen und neue Kraft zu sammeln. Ein wenig Massageöl macht es angenehmer.
Es lohnt sich, das schon in der Schwangerschaft ein paarmal zu üben. Dann weiß die Begleitperson unter der Geburt, was zu tun ist – und Du musst es nicht zwischen zwei Wehen erklären.
Wasser
Warmes Wasser ist eine der wirksamsten natürlichen Methoden. Ein Bad in der Eröffnungsphase entspannt die Muskulatur, nimmt Gewicht vom Körper und erleichtert das Wechseln der Position. Viele Kliniken und Geburtshäuser bieten Gebärwannen an – ob eine Wassergeburt in Frage kommt, hängt vom Verlauf ab und lässt sich nicht im Voraus festlegen.
Aromatherapie
Düfte wirken unmittelbar auf die Stimmung – diese Wirkung macht sich die Aromatherapie zunutze. Bestimmte Düfte beruhigen, andere wirken belebend: Lavendel gilt als entspannend, Zitrusdüfte als stimmungsaufhellend. Die Öle werden über eine Duftlampe verströmt, ins Badewasser gegeben oder bei der Massage verwendet.
Wichtig bei der Anwendung: Nicht jedes ätherische Öl ist in der Schwangerschaft und unter der Geburt geeignet – manche können Wehen fördern oder sind schlicht zu intensiv. Verwende deshalb nur geburtserprobte Öle und lass Dich von Deiner Hebamme beraten, die sie gezielt einsetzen kann. Viele Kliniken haben eigene Mischungen vorrätig.
Weitere körperbezogene Methoden
- Akupunktur: Wird von vielen Hebammen angeboten, sowohl zur Geburtsvorbereitung als auch unter der Geburt.
- TENS-Gerät: Manche Kliniken bieten ein Gerät an, das über sanfte elektrische Impulse die Schmerzwahrnehmung dämpft. Es wird meist am unteren Rücken angebracht und lässt sich selbst steuern.
- Homöopathie: Wird von manchen Hebammen begleitend eingesetzt. Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht belegt – als Teil einer ruhigen, zugewandten Begleitung empfinden viele Frauen sie dennoch als hilfreich.
Medikamentöse Schmerzlinderung
Reichen die natürlichen Methoden nicht aus, stehen medikamentöse Möglichkeiten zur Verfügung. Sie in Anspruch zu nehmen, ist kein Scheitern – eine Geburt ist kein Wettbewerb.
Krampflösende und schmerzstillende Mittel
Krampflösende Mittel können bei einem verkrampften Muttermund helfen. Daneben gibt es schmerzstillende Medikamente, die den Schmerz dämpfen, ohne ihn auszuschalten. Sie wirken auch auf das Kind und werden deshalb nicht zu jedem Zeitpunkt der Geburt gegeben – wann sie sinnvoll sind, entscheidet das Team vor Ort.
Die PDA (Periduralanästhesie)
Die PDA ist die wirksamste Methode der Schmerzlinderung unter der Geburt. Dabei wird über einen dünnen Katheter im Rücken ein Betäubungsmittel in den Raum um die Rückenmarkshaut gegeben. Der Schmerz im unteren Körperbereich wird dadurch weitgehend ausgeschaltet, während Du wach und ansprechbar bleibst.
Was Du dazu wissen solltest:
- Das Legen dauert einige Minuten, in denen Du möglichst still sitzen oder liegen musst – auch während einer Wehe.
- Bis die volle Wirkung einsetzt, vergehen in der Regel etwa 15 bis 20 Minuten.
- Die Beine können sich schwer anfühlen, Aufstehen ist je nach Dosierung eingeschränkt.
- Häufig wird ein Blasenkatheter nötig, weil der Harndrang nicht mehr zuverlässig gespürt wird.
- Ein Blutdruckabfall ist möglich und wird deshalb überwacht.
- Die Wehentätigkeit kann sich vorübergehend verlangsamen.
Eine PDA muss nicht im Voraus geplant werden. Du kannst sie unter der Geburt anfordern, solange der Verlauf es zulässt – in der sehr späten Austreibungsphase ist sie meist nicht mehr sinnvoll.
Wie Du für Dich das Richtige findest
Es gibt kein „richtig“ – nur das, was für Dich in dieser Geburt passt. Die meisten Frauen kombinieren mehrere Methoden und wechseln im Verlauf: erst Bewegung und Wasser, später Massage, vielleicht am Ende eine PDA.
Sinnvoll ist, sich vorher zu informieren und die eigenen Vorstellungen mit der Hebamme zu besprechen. Genauso sinnvoll ist es, sich nicht darauf festzulegen. Ein Geburtsplan ist eine Wunschliste, kein Vertrag – und eine Geburt, die anders verläuft als gedacht, ist keine misslungene Geburt.
Häufige Fragen
Schadet eine PDA dem Baby?
Das Betäubungsmittel wirkt vor allem lokal; nur ein kleiner Teil gelangt in den Blutkreislauf. Die PDA gilt als gut untersucht und wird routinemäßig eingesetzt. Wie jede medizinische Maßnahme hat sie Vor- und Nachteile, die das Team mit Dir bespricht.
Muss ich mich vorher entscheiden?
Nein. Die meisten Entscheidungen fallen unter der Geburt und richten sich nach dem Verlauf. Es hilft aber, die Möglichkeiten vorher zu kennen – zwischen zwei Wehen ist kein guter Zeitpunkt für eine Grundsatzentscheidung.
Was kann die Begleitperson tun?
Sehr viel: Gegendruck bei Wehen, Massage in den Pausen, Getränke anreichen, für Ruhe sorgen, die Wünsche gegenüber dem Team vertreten. Wer eine konkrete Aufgabe hat, fühlt sich weniger hilflos – und ist wirksamer.
Schon vor der Geburt vorbeugen lässt sich mit der Dammmassage – für sie gibt es belastbare Studien.
