Es ist der Abend vor dem ersten Advent. Die Kinder schlafen, und im Flur klebt plötzlich eine kleine Holztür über der Fußleiste, davor ein Fingerhut voll Milch und ein Zettel in winziger Schrift. Am nächsten Morgen kniet Deine Fünfjährige davor und stellt sofort die wichtigste Frage: „Wie heißt er denn?“
Hier findest Du 60 Wichtelnamen mit Herkunft und Bedeutung und dazu alles, was zur Wichteltür gehört: woher der Brauch stammt, wann der Wichtel einzieht und wieder geht, welche Wichtel-Ideen fast nichts kosten und was Du sagst, wenn Dein Kind wissen will, ob es ihn wirklich gibt. Die Kernaussage vorweg: Der Wichtel lebt von kleinen Ritualen, nicht von Geschenken. Eine Tür, ein Name und ein paar Zeilen am Morgen reichen völlig.
Woher der Weihnachtswichtel kommt
Der Wichtel an der Fußleiste hat zwei skandinavische Vorfahren. In Dänemark und Norwegen heißt er Nisse. Der Name ist eine Koseform von Niels beziehungsweise Nils – und Nils ist die nordische Form von Nikolaus. Nach alter dänischer Vorstellung lebte auf jedem Bauernhof genau ein Nisse, meist oben in der Scheune oder über dem Stall. Er half dem Bauern und schützte Menschen und Tiere, konnte aber auch launisch und schadenfroh sein. Als Lohn stellte man ihm jeden Samstagabend und an Feiertagen eine Schale süßen Brei mit einem Stück Butter hin, besonders wichtig war das an Heiligabend.
In Schweden heißt die Figur Tomte. Der Name ist aus älteren Wörtern wie „tomtegubbe“ verkürzt, in denen „tomt“ steckt, das Grundstück mit dem Hof. Der Tomte galt als eine Art unsichtbarer Mitbauer, der über den Hof wachte und ihm Glück brachte; zum Dank bekam er eine Schüssel Brei, später am liebsten Milchreis. Zu Weihnachtsfiguren wurden Nisse und Tomte im Laufe des 19. Jahrhunderts, in Norwegen bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein. In Dänemark lässt sich ein eigener Weihnachtsnisse erstmals 1836 beim Maler Constantin Hansen nachweisen. Gekleidet ist der Nisse traditionell wie ein Bauer des 19. Jahrhunderts: graue Wollsachen und eine rote Zipfelmütze. In Schweden ist das Gedicht „Tomten“ von Viktor Rydberg aus dem Jahr 1881 bis heute bekannt, darin wacht der Tomte in einer Mittwinternacht über den schlafenden Hof. Astrid Lindgren machte daraus eine Geschichte, die 1960 mit Bildern von Harald Wiberg auf Deutsch als „Tomte Tummetott“ erschien – bis heute eine schöne Adventslektüre, mehr Vorlese-Ideen stehen im Ratgeber zur Leseförderung.
Das deutsche Wort Wichtel ist die Verkleinerungsform von „Wicht“. Im Mittelhochdeutschen bezeichnete das schlicht ein lebendes Wesen, ein Geschöpf – Menschen ebenso wie Kobolde und Zwerge. Die Wichteltür selbst ist ein Familienbrauch aus Dänemark und den skandinavischen Nachbarländern, der sich in den vergangenen Jahren auch in Deutschland verbreitet hat; ein Gründungsjahr lässt sich nicht seriös festmachen. Mit dem Wichteln, dem Geschenketausch in Büro oder Schulklasse, hat er nichts zu tun.
Wichtelnamen: 60 Ideen mit Herkunft und Bedeutung
Ein guter Wichtelname ist kurz, lässt sich schon von einem Dreijährigen aussprechen und passt zu dem Charakter, den Ihr Eurem Wichtel geben wollt: Ist er Bäcker, Bastler oder Streichespieler? Viele Familien lassen die Kinder aus drei Vorschlägen wählen – dann gehört der Name ihnen. Bei den Bedeutungen nennen wir die gängige Herkunft; wie bei allen Namen sind Deutungen nicht immer eindeutig.
Nordische Vornamen
- Nisse – dänisch und norwegisch, Koseform von Niels/Nils: der Name des Wichtels selbst
- Nils – skandinavische Form von Nikolaus
- Ole – dänische Form von Olaf; bei Hans Christian Andersen heißt der Sandmann Ole Lukøje
- Lasse – Kurzform von Lars
- Pelle – schwedische Koseform von Per, also Peter
- Sven – altnordisch, junger Mann
- Bo – schwedisch und dänisch, zu altnordisch „wohnen“: passend für einen Hausgeist
- Emil – so heißt Michel aus Lönneberga im schwedischen Original
- Alva – schwedisch, die Elfe
- Liv – norwegisch, das Leben
- Ylva – schwedisch, die Wölfin
- Saga – schwedisch für Märchen und Erzählung
- Smilla – bekannt aus dem dänischen Roman „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“
- Lotta – schwedische Kurzform von Charlotta
Nordische Wörter rund um Winter und Weihnachten
- Tomte – schwedisch, der Hofgeist; im Wort steckt „tomt“, das Grundstück mit dem Hof
- Jul – das skandinavische Wort für Weihnachten
- Snö – schwedisch für Schnee
- Stjerne – dänisch und norwegisch für Stern
- Nordlys – dänisch und norwegisch für Nordlicht
- Hygge – dänisch für Gemütlichkeit
- Lykke – dänisch für Glück
- Glimt – dänisch für einen kurzen Schimmer
- Gröt – schwedisch für Brei, die klassische Wichtelmahlzeit
- Kanel – schwedisch für Zimt
- Pepparkaka – der schwedische Pfefferkuchen
- Pyssling – schwedisch für Knirps oder Däumling
- Busig – schwedisch für frech und zu Unfug aufgelegt
- Drille – dänisch für necken, ideal für einen Streichewichtel
Klassisch und märchenhaft
- Tummetott – aus Astrid Lindgrens Bilderbuch „Tomte Tummetott“
- Heinzel – nach den Kölner Heinzelmännchen, die nachts heimlich die Arbeit erledigten
- Rumpel – nach Rumpelstilzchen aus Grimms Märchen
- Holle – nach Frau Holle, die im Märchen die Betten ausschüttelt, bis es schneit
- Fridolin – althochdeutsch, gängige Deutung: Friede
- Frieda – germanisch, der Friede
- Balduin – germanisch, kühner Freund
- Theodor – griechisch, Geschenk Gottes
Lustig und verspielt
- Krümel – hinterlässt verräterische Spuren
- Brösel – sein bester Freund
- Zimtstern – für den Wichtel mit Backtalent
- Pfefferkorn – klein, aber scharf auf Streiche
- Plätzchen – nascht heimlich aus der Dose
- Puderzucker – staubt bei jedem Schritt
- Socke – leiht sich nachts einzelne Socken aus
- Fussel – wohnt zwischen Teppich und Tür
- Flitzi – ist immer schon weg, wenn jemand kommt
- Schnuppe – wie die Sternschnuppe
- Funkel – liebt Lichter und Glitzer
- Flocke – kommt mit dem ersten Schnee
- Zapfi – sammelt Tannenzapfen
- Zipfel – nach der roten Zipfelmütze
- Schlummer – schläft tagsüber hinter der Tür
- Klecks – schreibt mit viel zu viel Tinte
Wichtelpaare für zwei Kinder
- Zimt und Zucker – das süße Duo
- Tipp und Tapp – nach dem Geräusch kleiner Schritte in der Nacht
- Stups und Strubbel – Stupsnase und Strubbelkopf
- Kalle und Kaja – schwedische Koseform von Karl und skandinavische Kurzform von Katharina
Noch mehr Namen aus dem Norden findest Du bei den skandinavischen Vornamen, winterliche und himmlische Ideen wie Stella oder Aurora bei den Namen aus der Natur.
Die Wichteltür: wo sie hinkommt und was dazugehört
Die klassische Wichteltür sitzt direkt über der Fußleiste, also auf Augenhöhe kleiner Kinder. Bohren musst Du nicht: Doppelseitiges Klebeband oder ablösbare Klebestreifen halten die meisten Türen sicher. Gut geeignet ist ein Platz, an dem die Kinder morgens ohnehin vorbeikommen, etwa im Flur oder neben der Kinderzimmertür. Eine gekaufte Tür ist kein Muss: Aus Pappe, Eisstielen oder einem bemalten Holzbrettchen entsteht an einem Nachmittag eine eigene, und das gemeinsame Basteln gehört für viele Kinder schon zum Zauber.
Checkliste für den Anfang – mehr braucht es nicht:
- die Tür selbst, gekauft oder gebastelt
- ein winziger Briefkasten oder eine Wäscheklammer für die Wichtelpost
- ein Schälchen für Milchreis, Haferflocken oder einen Schluck Milch
- eine kleine Leiter oder ein Fußabtreter aus Stoffresten
- Papierstreifen und ein feiner Stift für die winzige Wichtelschrift
- ein Versteck für das Zubehör, damit es nicht schon im Oktober entdeckt wird
Ein Wort zur Sicherheit, weil Wichtelzubehör oft winzig ist: Kinder, die noch vieles in den Mund nehmen, sollten nicht an Kleinteile kommen – das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit rät vor allem im zweiten Lebensjahr von kleinteiligem Spielzeug ab. Bring die Tür bei Kleinkindern deshalb lieber höher an, etwa an einem Regal, und verzichte auf Mini-Teller und Deko. Besonders vorsichtig solltest Du bei LED-Lichtern mit Knopfzellen sein. Steckt eine verschluckte Knopfzelle in der Speiseröhre fest, kann sie das Gewebe schwer verätzen, und Beschwerden zeigen sich oft erst nach Stunden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb, schon beim bloßen Verdacht sofort in eine Kinderklinik oder Notaufnahme zu fahren. Nimm Lichter mit verschraubtem Batteriefach und bewahre auch scheinbar leere Knopfzellen unerreichbar auf. Echte Kerzen haben vor einer Tür auf Fußbodenhöhe nichts verloren.
Wann der Wichtel einzieht und wann er geht
Üblich ist der Einzug zum ersten Advent oder am 1. Dezember. Die Tür taucht über Nacht auf, also bringst Du sie am Vorabend an, wenn die Kinder schlafen. In diesem Jahr fällt der erste Advent auf Sonntag, den 29. November, der 1. Dezember ist ein Dienstag – wer es ruhiger mag, nimmt das Wochenende, dann bleibt morgens Zeit zum Staunen. Der Abschied kommt an Weihnachten oder kurz danach. Viele Familien lassen den Wichtel an Heiligabend einen letzten Brief schreiben, und am nächsten Morgen ist die Tür verschlossen.
| Termin 2026 | Was passiert |
|---|---|
| Samstag, 28. November, abends | Tür heimlich anbringen, erster Brief mit dem Namen |
| Sonntag, 29. November (1. Advent) | Die Kinder entdecken die Tür |
| Sonntag, 6. Dezember (Nikolaus und 2. Advent) | Ein Gruß des Wichtels an den Nikolaus – die beiden sind ja Namensvettern |
| 7. bis 23. Dezember | Zwei bis drei kleine Aktionen pro Woche, dazwischen Wichtelpost |
| Donnerstag, 24. Dezember (Heiligabend) | Ein Schälchen Milchreis vor die Tür, Abschiedsbrief |
| Freitag, 25. Dezember | Die Tür ist zu, der Wichtel ist zurück im Norden |
Der Abschied darf ruhig ein kleines Ritual sein. Ein Brief, der sich für die Hilfe bedankt und verspricht, im nächsten Advent wiederzukommen, nimmt Kindern die Traurigkeit. Manche Familien lassen die Tür bis Januar hängen, weil der Wichtel jetzt Winterschlaf hält. Danach wartet mit Silvester mit Kindern schon das nächste Familienfest.
Wichtelstreiche und Wichtelbriefe ohne Geschenkedruck
Der häufigste Fehler ist ein zweiter Adventskalender durch die Hintertür: jeden Morgen eine neue Überraschung, jeden Tag etwas Gekauftes. Das setzt Dich unter Druck und die Kinder auf Erwartung. In der alten Überlieferung ist es andersherum: Der Wichtel bekommt etwas, statt etwas zu bringen. Wie viel Schenken Kindern überhaupt guttut, steht im Beitrag Wie viele Geschenke brauchen Kinder wirklich?
Wichtelstreiche, die nichts kosten und in zwei Minuten vorbereitet sind:
- Die Kuscheltiere sitzen morgens am Frühstückstisch.
- Alle Schuhe im Flur stehen verkehrt herum oder sind paarweise vertauscht.
- Winzige Fußspuren aus Puderzucker führen von der Tür zur Keksdose.
- Eine einzelne Socke hängt an einer Mini-Wäscheleine vor der Tür.
- Die Zahnbürsten tragen Mützen aus Papier.
- Die Lieblingstasse ist verschwunden, an ihrem Platz liegt ein Rätselzettel.
- Die Spielfiguren stehen in einer langen Schlange vor der Wichteltür.
- Ein Bilderbuch liegt aufgeschlagen da – der Wichtel bittet darum, dass ihm jemand vorliest.
Wichtelbriefe wirken am stärksten, wenn sie kurz sind und um Hilfe bitten. Der Wichtel braucht Wolle für eine Mütze, ein Bild für seine Wand oder jemanden, der der Nachbarin ein Plätzchen bringt. So wird aus dem Spiel etwas, auf das Kinder stolz sind. Ein Beispiel in Wichtelschrift: „Liebe Ella, lieber Jonas, mir ist kalt an den Ohren. Könnt Ihr mir ein Stückchen Stoff vor die Tür legen? Euer Krümel.“
„Gibt es den Wichtel wirklich?“ – ehrlich bleiben
Ab etwa drei Jahren tauchen Kinder tief in Rollenspiele ein, und viele behalten diese Freude bis weit in die Grundschulzeit. Solche Spiele helfen ihnen, Erlebtes zu verarbeiten – der Wichtel ist für sie ein gemeinsames Spiel mit Dir, keine Täuschung. Wenn die Frage kommt, hilft eine Gegenfrage: „Was glaubst Du denn?“ Kleine Kinder antworten meist begeistert und wollen gar keine Auflösung. Fragt ein älteres Kind ernsthaft und bohrt nach, verdient es eine ehrliche Antwort. Dann kannst Du erklären, dass Eltern den Wichtel spielen, weil es eine schöne alte Geschichte aus dem Norden ist – und dass das Spiel trotzdem weitergehen darf.
Vermeiden solltest Du, den Wichtel als Aufpasser einzusetzen, der alles sieht und dem Weihnachtsmann berichtet. Ein Spiel, das mit Kontrolle droht, kippt schnell in Angst, gerade bei sensiblen Kindern. Der Wichtel darf frech sein, aber er petzt nicht.
So lief es bei Mira, sieben Jahre alt: Sie fand im Bad die Packung mit den Klebestreifen und fragte ihre Mutter direkt, ob sie der Wichtel sei. Die Mutter fragte zurück, was Mira denke, und Mira sagte leise: „Ich glaube, Du.“ Statt auszuweichen, bestätigte die Mutter es – und ernannte Mira zur offiziellen Wichtelhelferin für ihren vierjährigen Bruder. Ab da schrieb Mira die Briefe in Miniaturschrift und hütete das Geheimnis mit großem Ernst.
Geschwister in unterschiedlichem Alter
Mit mehreren Kindern stellt sich zuerst die Frage: ein Wichtel für alle oder einer pro Kind? Ein gemeinsamer Wichtel ist einfacher und vermeidet den Vergleich, wer den lustigeren Streich bekommen hat. Ein Wichtelpaar passt, wenn die Kinder getrennte Zimmer haben oder sehr Verschiedenes mögen. Wichtig ist, dass die Briefe alle ansprechen und die Aufgaben nach Alter verteilt werden: Das Kleine darf füttern, das Große Rätsel lösen. Wie Ihr jedem Kind gerecht werdet, ohne alle gleich zu behandeln, steht im Beitrag über Geschwister.
Ein Beispiel aus einer Familie mit Jonas, neun, und Ella, drei: Jonas glaubt nicht mehr an Wichtel, wollte aber auf keinen Fall, dass der Brauch endet. Also wurde er Mitwisser. Jeden Sonntag dachte er sich mit seinem Vater einen Streich für die Woche aus, Ella legte jeden Abend drei Haferflocken vor die Tür. Weil Ella noch gern Dinge in den Mund steckte, hing die Tür auf Höhe der Kommode, und das Zubehör war aus Papier. Als am Morgen des 24. Dezember der Abschiedsbrief im Briefkasten lag, war Jonas fast stolzer als seine Schwester.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Wichtel, Tomte und Nisse?
Nisse heißt die Figur in Dänemark und Norwegen, Tomte in Schweden; beide waren ursprünglich Hofgeister. Das deutsche Wort Wichtel meint allgemein einen Zwerg oder Kobold und wird heute für alle verwendet.
Was isst ein Wichtel?
Der Überlieferung nach Brei oder Grütze mit Butter, später vor allem Milchreis. Ein Löffel Haferflocken oder ein Fingerhut Milch reicht – räume die Reste morgens weg.
Ab welchem Alter lohnt sich eine Wichteltür?
Etwa ab drei Jahren, wenn Kinder ins Rollenspiel einsteigen. Für jüngere Kinder ist sie eher Dekoration; achte dann besonders auf Kleinteile.
Ich habe den Wichtel einen Abend vergessen – was jetzt?
Nichts. Wichtel schlafen viel, und manchmal besuchen sie ihre Verwandten im Norden. Zwei bis drei Aktionen pro Woche sind ohnehin mehr als genug.
Darf der Wichtel Geschenke bringen?
Er darf, muss aber nicht. Eine Walnuss, ein glänzender Stein oder ein gemaltes Bild reichen. Sobald Kinder jeden Morgen etwas erwarten, wird aus dem Brauch ein zweiter Adventskalender.
Stand: 29. Oktober 2026
Quellen und weiterführende Links
- Store norske leksikon: Nisse
- Den Store Danske (lex.dk): Nisse
- Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS): Wichtel
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Gefährliche Verätzungen im Hals – Fragen und Antworten zu Knopfzellen
- BIÖG, kindergesundheit-info.de: Rollenspiele
- BIÖG, kindergesundheit-info.de: Sichere Spielsachen und erste Fahrzeuge
