Ab wann dürfen Babys Wasser trinken? Wann, wie viel und woraus

Ab wann dürfen Babys Wasser trinken? Wann, wie viel und woraus

Ende Juli, 32 Grad im Schatten, und Dein vier Monate altes Baby liegt mit roten Wangen im Kinderwagen. Du hast selbst schon die zweite Flasche Wasser geleert und fragst Dich, ob Dein Kind nicht auch einen Schluck braucht.

Hier erfährst Du, ab wann Babys Wasser trinken dürfen, ab wann sie es brauchen, wie viel es sein sollte und was in den Becher gehört. Die Kernaussage vorweg: Solange Dein gesundes Baby nur Milch bekommt, braucht es kein zusätzliches Wasser, auch an heißen Tagen nicht. Dann bekommt es einfach öfter die Brust oder die Flasche. Extra-Getränke werden erst mit dem dritten Brei nötig, meist mit sieben bis neun Monaten. Üben darf Dein Kind schon ab dem ersten Brei.

Die ersten Monate: Milch ist Essen und Trinken zugleich

Muttermilch und Säuglingsmilch sind für Dein Baby Mahlzeit und Getränk in einem. Das Netzwerk Gesund ins Leben rechnet, gestützt auf die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, mit rund 620 Millilitern Flüssigkeit am Tag, die ein Baby in den ersten vier Lebensmonaten über die Milch aufnimmt, und das deckt seinen Bedarf. Das gilt für gestillte Babys wie für Flaschenkinder und bleibt auch nach dem Beikoststart zunächst so.

An besonders heißen Tagen ändert sich nur der Takt: Gestillte Babys legst Du häufiger an, Flaschenkindern bietest Du öfter die Flasche an. Mehr zum Anlegen steht im Ratgeber Stillen, die Regeln fürs Zubereiten im Beitrag Flaschennahrung.

Ein Beispiel: Jana stillt ihren fünf Monate alten Sohn noch voll. In einer Hitzewoche legt sie ihn deutlich öfter an als sonst, häufig nur für ein paar Minuten. Wasser bekommt er nicht, und er braucht es auch nicht: Die vielen kurzen Mahlzeiten gleichen aus, was er an warmen Tagen mehr verliert.

Ab dem dritten Brei braucht Dein Baby extra Flüssigkeit

Die Wende kommt mit dem dritten Brei. Im klassischen Beikostplan ist das der Getreide-Obst-Brei am Nachmittag, je nach Beikoststart meist mit sieben bis neun Monaten. Solange erst ein oder zwei Milchmahlzeiten durch Brei ersetzt sind, reicht die Flüssigkeit aus Milch und Brei. Ab dem dritten Brei braucht Dein Baby zusätzlich etwas zu trinken, am besten Wasser.

Wie viel, lässt sich nachrechnen. Für Babys zwischen vier und zwölf Monaten nennt das Netzwerk einen Richtwert von etwa einem Liter Wasser am Tag. Darin zählt mit, was Milch und Brei mitbringen: Drei Breie und die zwei verbliebenen Milchmahlzeiten liefern etwa 800 bis 900 Milliliter. Die Lücke schließt ein zusätzliches Getränk von rund 200 Millilitern über den Tag, ungefähr ein Becher.

Phase Flüssigkeit kommt aus Zusätzlich trinken
bis zum Beikoststart (frühestens Beginn 5., spätestens Beginn 7. Monat) Muttermilch oder Säuglingsmilch nicht nötig
erster und zweiter Brei Milchmahlzeiten und Brei nicht nötig, kleine Schlucke zum Üben
ab dem dritten Brei (meist 7 bis 9 Monate) drei Breie und zwei Milchmahlzeiten, etwa 800 bis 900 ml etwa 200 ml, am besten Wasser
Familienkost, ab etwa einem Jahr Mahlzeiten am Familientisch etwa 600 ml Getränke am Tag

Ein Beispiel aus dem Alltag: Paul ist acht Monate alt und bekommt seit zwei Wochen nachmittags Getreide-Obst-Brei. Seine Eltern stellen ihm zu jedem Brei einen kleinen Becher Wasser hin und bieten ihn auch nach dem Mittagsschlaf an. So kommen ungefähr 200 Milliliter zusammen, mal etwas mehr, mal weniger.

Schon ab dem ersten Brei: Wasser zum Üben

Bis zum dritten Brei warten musst Du trotzdem nicht. Sobald Dein Baby seinen ersten Brei isst, darf es kleine Mengen Wasser oder ungesüßten Tee aus einem Becher oder einer offenen Tasse probieren. Eine Trinkmenge musst Du dabei nicht erreichen: Es geht ums Lernen, nicht ums Durstlöschen. Wann der richtige Zeitpunkt für den ersten Löffel ist, erklärt der Ratgeber Beikost.

  • Am leichtesten klappt es im Sitzen, etwa auf Deinem Schoß. Halt Dein Baby dabei gut am Oberkörper fest.
  • Füll den Becher anfangs randvoll. Dann reicht ein kleines Kippen, und die Oberlippe wird gleich nass, auch wenn Dein Kind die Lippen noch nicht richtig schließen kann.
  • Mindestens eine halbe Stunde vor einer Mahlzeit lässt Du den Becher weg, damit Platz für den Brei bleibt.
  • Schnabeltassen und geschlossene Becher mit Saugventil verhindern zwar Pfützen auf dem Tisch, machen das Trinkenlernen aber schwerer.

Fieber, Durchfall, Erbrechen und Hitze

Bei Fieber, Durchfall oder Erbrechen verliert Dein Baby mehr Flüssigkeit als sonst, und für Babys und Kleinkinder kann das schnell gefährlich werden. Vor allem bei Babys, die nicht gestillt werden, kann dann schon vor dem dritten Brei mehr Flüssigkeit nötig sein, früher und in größerer Menge.

  • Gestillte Babys legst Du häufiger an. Weiterstillen ist auch bei Durchfall richtig.
  • Flaschenkinder bekommen öfter die Flasche. Ob Du die Säuglingsmilch während eines Magen-Darm-Infekts anders zubereiten sollst, besprichst Du mit der Kinderarztpraxis.
  • Babys, die schon aus dem Becher trinken, bekommen häufiger kleine Schlucke Wasser oder Tee. Kamillentee ist genau für solche Krankheitstage gedacht.
  • Cola und Salzstangen sind kein Hausmittel gegen Durchfall. Warum Cola generell keine gute Idee ist, steht im Beitrag ab wann Kinder Cola trinken dürfen.

Wann Du nicht abwarten solltest: Sind Lippen und Zunge trocken und ist die Windel seltener als etwa alle acht Stunden nass, lässt sich Dein Kind nicht zum Trinken bewegen, hat ein Säugling mehr als viermal in 24 Stunden Durchfall oder ist der Durchfall blutig, gehört Dein Kind ohne Aufschub in die Kinderarztpraxis. Bei einem Säugling rufst Du lieber einmal zu früh an als zu spät, außerhalb der Sprechzeiten beim ärztlichen Bereitschaftsdienst.

An heißen Tagen gilt dasselbe Prinzip, auch ohne Krankheit: Brust oder Flasche gibt es öfter, und wer schon aus dem Becher trinkt, bekommt ihn häufiger angeboten.

Welches Wasser und welcher Tee geeignet sind

Leitungswasser und Mineralwasser

Am besten geeignet ist frisches Leitungswasser. Zum Trinken musst Du es in der Regel nicht abkochen. Lass es aber laufen, bis es spürbar kalt aus dem Hahn kommt. Zwei Ausnahmen: Wasser aus Bleileitungen ist tabu, und Wasser aus einem eigenen Brunnen nur dann, wenn vorher geprüft wurde, ob es sich eignet. Auf Reisen ins Ausland kann es nötig sein, Leitungswasser abzukochen. Kaufst Du Wasser, nimm stilles Mineralwasser, auf dessen Etikett steht, dass es sich für die Zubereitung von Säuglingsnahrung eignet. Für das Anrühren der Flasche selbst gelten eigene Hygieneregeln, die im Beitrag zur Flaschennahrung stehen.

Tee: ungesüßt und mit Abwechslung

Ab dem Beikoststart eignen sich die üblichen milden Früchte- und Kräutertees, ungesüßt und abgekühlt auf Trinktemperatur. Wer schon vorher Tee geben möchte, obwohl das nicht nötig ist, nimmt spezielle Teebeutel für Säuglinge.

Pfefferminz-, Melissen- und Kamillentee können allerdings viel Pyrrolizidinalkaloide enthalten. Diese Pflanzenstoffe können in hoher Dosis die Leber schädigen, und einige haben sich im Tierversuch als erbgutschädigend und krebserregend erwiesen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät Eltern deshalb schon seit 2013, Kindern nicht ausschließlich Kräutertee und Tee anzubieten, und auch das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt in seinem aktuellen Stand, die Sorten zu wechseln. Tee ist also eine Abwechslung zum Wasser, kein Ersatz. Kamillentee als Heilkräutertee hebst Du Dir für Krankheitstage auf, Pfefferminze und Melisse gibt es nicht jeden Tag.

Was nicht in den Becher gehört

  • Saft, auch verdünnt, sowie Smoothies und Quetschies: Der Zucker fördert Karies, die Säure greift den Zahnschmelz an.
  • Alles Gesüßte, ob mit Zucker, Honig, Sirup, Dicksaft, Zuckeraustauschstoffen oder Süßstoff.
  • Kinder-Instanttees, denn die sind meist gezuckert.

Becher statt Flasche, auch beim Wasser

Getränke gibt es von Beginn an aus Becher oder Tasse, nicht aus der Babyflasche. Wer ständig an einer Babyflasche, einer Trinkflasche mit Ziehverschluss oder einem Quetschbeutel nuckelt, schadet seinen Zähnen, und zwar laut Netzwerk Gesund ins Leben auch dann, wenn nur Wasser darin ist. Zum Einschlafen und zum Beruhigen ist die Flasche deshalb tabu. Sind gesüßte oder saure Getränke im Spiel, droht zusätzlich Nuckelflaschenkaries. Warum sich der Schutz der ersten Zähne lohnt, liest Du im Beitrag Milchzähne.

Ein Beispiel: Lea ist 13 Monate alt und schläft seit Monaten mit einer Flasche Wasser ein. Ihre Eltern nehmen sie ihr nicht von heute auf morgen weg, sondern bauen das Abendritual um: Wasser gibt es vor dem Zähneputzen aus dem Becher, danach Kuscheln, Lied und Licht aus. Die ersten Abende protestiert Lea, nach gut einer Woche fragt sie kaum noch nach der Flasche.

Ab dem ersten Geburtstag: rund 600 Milliliter am Tag

Mit der Familienkost wächst der Trinkbedarf weiter. Für Kleinkinder ab einem Jahr nennt das Netzwerk Gesund ins Leben, gestützt auf das Forschungsdepartment Kinderernährung, etwa 600 Milliliter Getränke pro Tag. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit spricht für die Zeit nach dem Übergang zur Familienkost von insgesamt etwa 600 bis 700 Millilitern. Das sind ungefähr drei Becher. Zu jedem Essen steht Wasser oder ungesüßter Tee auf dem Tisch, und zwischendurch bietest Du immer wieder etwas an.

Häufige Fragen

Muss ich Leitungswasser für mein Baby abkochen?

Als Getränk in der Regel nicht. Ausnahmen sind Bleileitungen, ein ungeprüfter Hausbrunnen und manche Reiseländer.

Darf ich meinem Baby vor dem Beikoststart bei Hitze Wasser geben?

Nötig ist das nicht, auch bei Flaschenkindern nicht. Mehr Milch, also öfter Brust oder Flasche, deckt den Mehrbedarf an heißen Tagen.

Ist Kamillentee gut für Babys?

Als Heilkräutertee ist er für Krankheitstage gedacht, als tägliches Getränk nicht, auch weil er Pyrrolizidinalkaloide enthalten kann.

Muss ich genau abmessen, wie viel mein Baby trinkt?

Nein. Die Mengen sind Richtwerte. Beim Üben ab dem ersten Brei gibt es gar kein Trinkziel, und auch später schwankt die Menge von Tag zu Tag.

Mein Baby trinkt nach dem dritten Brei kaum etwas – was tun?

Biete den Becher zu jeder Mahlzeit und zwischendurch an, ohne zu drängen. Lässt es sich gar nicht zum Trinken bewegen oder sind Lippen und Zunge trocken und die Windel seltener als etwa alle acht Stunden nass, ist das ein Fall für die Kinderarztpraxis.

Ist verdünnter Saft eine gute Alternative?

Nein. Auch verdünnt bringt Saft Zucker und Säure an die Zähne. Wasser und ungesüßter Tee bleiben die Durstlöscher.

Stand: 29. Oktober 2026

Quellen und weiterführende Links

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