Auf dem Tisch steht eine Antipasti-Platte mit hauchdünner Salami, Parmaschinken und Oliven. Früher hättest Du zugegriffen, jetzt zögerst Du. Die Freundin meint, ein paar Scheiben schaden nicht, die Schwiegermutter hält in der Schwangerschaft jede Wurst für tabu.
Beides stimmt so nicht. Hier liest Du, warum Rohwurst riskant ist, was für Mettwurst und rohen Schinken gilt, wann die Pizza Salami sicher ist und wie Du Aufschnitt lagerst. Die Kernaussage vorweg: Was roh ist, pausiert – was durcherhitzt ist, darf bleiben.
Darf ich in der Schwangerschaft Salami essen?
Kalt aufs Brot: besser nicht. Salami ist eine Rohwurst. Das Fleisch wird gewürzt, gesalzen, oft geräuchert und reift dann, bis die Wurst schnittfest ist – gegart wird es dabei nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Robert Koch-Institut (RKI) und das Netzwerk Gesund ins Leben raten Schwangeren deshalb, auf Rohwurst zu verzichten. Das RKI nennt Salami ausdrücklich, das Netzwerk auch rohen Schinken.
Erhitzt sieht es anders aus. Als Maßstab gilt: im Kern mindestens zwei Minuten lang 70 °C oder mehr. Auf der frisch gebackenen Pizza oder im Nudelauflauf darfst Du Salami also essen.
Warum Rohwurst riskant ist: Listerien und Toxoplasmen
Listerien
Listerien sind weit verbreitete Bakterien, die beim Schlachten oder später beim Aufschneiden in Lebensmittel gelangen können. Man sieht und riecht sie nicht. Schwangere zählen laut BfR zu den besonders gefährdeten Gruppen: Bei Dir verläuft eine Listeriose oft unbemerkt oder mit grippeähnlichen Beschwerden, doch die Bakterien können auf das Kind übergehen und zu einer Früh-, Fehl- oder Totgeburt führen. Bei der Herstellung von Rohwurst werden sie laut RKI nicht immer vollständig abgetötet. Zwischen Ansteckung und Erkrankung können bei Schwangeren nach der vom RKI zitierten Fachliteratur 17 bis 67 Tage liegen.
Toxoplasmen
Toxoplasmen sind Parasiten, die als winzige Zysten in rohem Fleisch stecken können, vor allem in Fleisch von Schwein, Schaf und Ziege. Gefährlich ist eine Erstinfektion in der Schwangerschaft. Laut RKI erreicht der Erreger das Kind im ersten Drittel in etwa 15 Prozent, im letzten in etwa 60 Prozent der Fälle. Eine unbehandelte Infektion im ersten Drittel kann den Embryo schwer schädigen oder zur Fehlgeburt führen, spätere treffen vor allem Augen und Gehirn. Gewerblich hergestellte rohe oder kurz gereifte Fleischprodukte hält das RKI ausdrücklich nicht für sicher. Mehr dazu im Überblick zu Infektionen in der Schwangerschaft.
Zur Einordnung: Für 2024 nennt das Netzwerk Gesund ins Leben 13 gemeldete Fälle von Listeriose in der Schwangerschaft und 10 Fälle von Toxoplasmose. Das Risiko einer einzelnen Scheibe ist also klein, die möglichen Folgen für das Kind sind es nicht.
Mettwurst, Teewurst, Braunschweiger: die heikelsten Sorten
Das BfR hebt die streichfähigen, nur kurz gereiften Rohwürste hervor: frische Mettwurst, Teewurst und Braunschweiger (gemeint ist die Mettwurst, nicht die Braunschweiger Leberwurst). In trockenen, salzreichen Lebensmitteln vermehren sich Listerien kaum, in weicher, frischer Rohwurst deutlich leichter. Lange gereifte, harte Salami schneidet deshalb etwas besser ab, sicher ist aber auch sie nicht. Frisches Mett, Hackepeter und Tatar sind rohes Hackfleisch und ebenfalls tabu.
Lena, 29, ist in der 10. Woche und zum Geburtstag ihres Schwiegervaters eingeladen, wo es traditionell Mettbrötchen und Teewurst gibt. Sie sagt vorher Bescheid und bringt Kochschinken, Fleischwurst und kalten Braten mit. So isst sie mit, ohne dass ihr Teller zum Gesprächsthema wird.
Roher Schinken gegen Kochschinken: der Unterschied
Beim Schinken zählt die Herstellung. Serrano, Parma, Schwarzwälder Schinken oder Lachsschinken sind Rohschinken: gepökelt oder gesalzen, dann getrocknet oder geräuchert, aber nicht gegart. Kochschinken wird nach dem Pökeln gegart. Lachsschinken gibt es allerdings auch ausdrücklich als „gekochten Lachsschinken“, ein Blick auf die Packung lohnt. Auf italienischen Karten hilft ein Wort: Prosciutto cotto ist gekocht, Prosciutto crudo roh.
In den Listerien-Tipps des BfR wird roher Schinken nicht eigens genannt. Ein wichtiger Grund für den Verzicht ist deshalb die Toxoplasmose: Rohe Fleischprodukte gelten beim RKI nicht als sicher, und das Netzwerk Gesund ins Leben rät Schwangeren ausdrücklich von Rohschinken ab. Mitgebacken oder knusprig gebraten, also durcherhitzt, ist er dagegen kein Problem.
Salami auf der Pizza: wann sie sicher ist
Die Scheiben liegen dünn obenauf und backen mit. Sicher ist die Pizza Salami, wenn sie richtig heiß aus dem Ofen kommt und auch die Wurst die 70 °C erreicht hat. Backst Du selbst, misst im Zweifel ein Fleischthermometer nach, wie es das BfR empfiehlt. Was für den Käse gilt, steht im Beitrag zu Mozzarella in der Schwangerschaft. Aufpassen solltest Du hier:
- Belag nach dem Backen: Parmaschinken kommt oft erst auf die fertige Pizza und ist dann roh. Bitte darum, ihn mitzubacken.
- Lauwarme Reste: Pizza vom Buffet oder von gestern vollständig erhitzen, in der Mikrowelle auf gleichmäßige Hitze achten.
- Kalte Snacks: Salamibrötchen oder Mini-Salamis für unterwegs sind kalte Rohwurst.
Miriam, 32, ist in der 24. Woche und bestellt beim Italiener eine Pizza Salami, ihr Partner eine mit Parmaschinken. Ihre kommt heiß und mitgebacken, bei seiner probiert sie nicht, weil der Schinken erst nach dem Backen aufgelegt wurde. Beim nächsten Mal bittet er darum, ihn mitzubacken.
Welche Wurst ist in der Schwangerschaft unbedenklich?
Erlaubt ist, was bei der Herstellung durcherhitzt wurde. Das Netzwerk Gesund ins Leben nennt etwa Jagdwurst, Fleischwurst, Leberkäse, Corned Beef, Kochschinken und Braten als bessere Wahl. Nach den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuchs gehören auch Lyoner und Wiener zu den hitzebehandelten Brühwürsten, Blut- und Leberwurst zu den Kochwürsten.
| Sorte | Art | In der Schwangerschaft |
|---|---|---|
| Salami, Cervelatwurst, Landjäger | schnittfeste Rohwurst | kalt meiden, durcherhitzt in Ordnung |
| Mettwurst, Teewurst, Braunschweiger Mettwurst | streichfähige Rohwurst | meiden |
| Mett, Hackepeter, Tatar | rohes Hackfleisch | meiden |
| Parma, Serrano, Schwarzwälder, Lachsschinken | Rohschinken | roh meiden, gebacken oder gebraten in Ordnung |
| Kochschinken, Braten, Corned Beef | gegart | in Ordnung, frisch verbrauchen |
| Fleischwurst, Jagdwurst, Lyoner, Wiener, Leberkäse | Brühwurst | in Ordnung, frisch verbrauchen |
| Leberwurst, Blutwurst | Kochwurst | in Ordnung, zur Leberwurst siehe unten |
| Pastete (Pâté) aus Fleisch | Pastete | meiden, außer aus der Konserve |
Für die anderen Klassiker der Antipasti-Platte gibt es eigene Beiträge zu Parmesan und Räucherlachs, den Gesamtüberblick im Ratgeber zur Ernährung in der Schwangerschaft.
Aufschnitt: wie frisch, wie lange im Kühlschrank?
Auch gegarte Wurst kann beim Aufschneiden und Verpacken Listerien abbekommen, und die vermehren sich langsam selbst im Kühlschrank. Vakuum und Kühlung halten sie laut RKI nicht auf, deshalb gilt auch für vakuumverpackte Ware: zügig und weit vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum verbrauchen. Diese Checkliste hilft:
- Wurst lieber am Stück kaufen: Aufschnitt bietet Bakterien mehr Oberfläche.
- Abgepackten Aufschnitt in kleinen Mengen kaufen, mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum, das noch weit entfernt ist.
- Kühlschrank auf höchstens 7 °C einstellen, besser unter 5 °C, und mit einem Thermometer prüfen.
- Geöffnete Packungen innerhalb von zwei bis drei Tagen aufbrauchen.
- Wurst abgedeckt lagern und Wurstplatten bei Feiern bis zum Essen gekühlt halten.
Häufige Fragen
Ich habe aus Versehen Salami gegessen – was jetzt?
Keine Panik: Nicht jede Rohwurst enthält Erreger. Bekommst Du in den folgenden Wochen Fieber oder grippeähnliche Beschwerden, ruf in Deiner frauenärztlichen Praxis an und erwähne das Essen, auch wenn es Wochen her ist. Ohne Beschwerden genügt es, das bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung anzusprechen.
Macht Einfrieren Salami oder Schinken sicher?
Nein. Toxoplasmen sterben laut RKI bei einer Frostung auf minus 21 °C ab, Listerien überleben dagegen auch Tiefkühltemperaturen. Sicher macht nur gründliches Erhitzen.
Ich habe Antikörper gegen Toxoplasmose – darf ich dann Rohwurst essen?
Bestehende Antikörper schützen Dein Kind laut RKI in der Regel vor Toxoplasmose. Gegen Listeriose gibt es aber keine Immunität, deshalb bleibt es beim Verzicht. Ob Du Antikörper hast, zeigt eine Blutuntersuchung; frag Deine Frauenärztin danach.
Darf ich Leberwurst essen?
Als erhitzte Kochwurst fällt sie nicht unter die Rohwurst-Regel. Das Netzwerk Gesund ins Leben rät aber, im ersten Trimester wegen des hohen Vitamin-A-Gehalts auf Leber zu verzichten, und Leberwurst besteht je nach Sorte meist zu 10 bis 30 Prozent aus Leber. Wie viel davon passt, besprichst Du mit Deiner Frauenärztin oder Hebamme.
Ist vegane Salami eine Alternative?
Nur bedingt. Laut Netzwerk Gesund ins Leben gelten für Ersatzprodukte dieselben Regeln wie für das Original: gereifte oder fermentierte Wurstalternativen meiden, Fleischersatz nur durcherhitzt essen. Auf der Pizza ja, kalt aufs Brot besser nicht.
Stand: 29. Oktober 2026
Quellen und weiterführende Links
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Verbrauchertipps – Schutz vor Lebensmittelinfektionen mit Listerien
- Netzwerk Gesund ins Leben: Listeriose und Toxoplasmose – Was können Schwangere zur Vorbeugung tun?
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Listeriose
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Toxoplasmose
- Netzwerk Gesund ins Leben: Ernährung in der Schwangerschaft – Besser essen statt für zwei essen
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse (Deutsches Lebensmittelbuch)
