Geburtsvorbereitung – Kurs, Kliniktasche und Geburtsplan

Je näher die Geburt rückt, desto mehr möchtest Du vorbereitet sein. Eine gute Geburtsvorbereitung nimmt Ängste, stärkt das Vertrauen in den eigenen Körper und sorgt dafür, dass im entscheidenden Moment alles bereitliegt. Hier erfährst Du, was dazugehört.

Der Geburtsvorbereitungskurs

Im Kurs lernst Du, was bei der Geburt passiert, übst Atem- und Entspannungstechniken, lernst geburtserleichternde Positionen kennen und bekommst Tipps für das Wochenbett. Für werdende Mütter ist der Kurs eine Leistung der Krankenkasse; Partnerinnen und Partner können in der Regel gegen einen Eigenanteil teilnehmen.

Wo möchtest Du gebären?

Überlege Dir frühzeitig den Geburtsort: Klinik, Geburtshaus oder – nach sorgfältiger Beratung – eine Hausgeburt. Besichtige ruhig die Geburtsklinik oder das Geburtshaus, um ein gutes Gefühl zu bekommen. Deine Hebamme berät Dich gern.

Kliniktasche und Geburtsplan

Packe die Kliniktasche ab etwa der 34. SSW: Mutterpass, Ausweis, bequeme Kleidung, Pflegeartikel und Erstausstattung fürs Baby. Was genau hineingehört, zeigt unsere Checkliste Kliniktasche packen. In einem Geburtsplan hältst Du Deine Wünsche für die Geburt fest – wie das geht, erklärt der nächste Abschnitt.

Der Geburtsplan: Deine Wünsche auf einer Seite

Ein Geburtsplan ist ein kurzes Schreiben an das Team im Kreißsaal. Darin steht, was Dir bei der Geburt wichtig ist, was Dir hilft und was Du nach Möglichkeit vermeiden möchtest. Für die Hebamme, die Dich unter der Geburt vielleicht zum ersten Mal sieht, ist er eine schnelle Orientierung. Für Dich ist das Schreiben selbst mindestens genauso wertvoll: Wer sich vorher mit den Möglichkeiten beschäftigt, kennt sie, wenn es so weit ist, und kann unter Wehen leichter entscheiden.

Was in den Geburtsplan gehört

  • Begleitung: Wer soll dabei sein – Partnerin oder Partner, eine Freundin, eine Doula? Soll Deine Begleitung bei einem Kaiserschnitt mit in den OP?
  • Atmosphäre: gedämpftes Licht, eigene Musik, Dein Kissen, möglichst wenig Unterbrechungen.
  • Schmerzlinderung: was Du zuerst ausprobieren möchtest, etwa Atemtechnik, Massage oder ein warmes Bad, und wie Du zur PDA stehst: lieber früh, nur auf Nachfrage oder möglichst nicht.
  • Bewegung und Positionen: ob Du Dich frei bewegen, auf dem Ball sitzen oder im Vierfüßlerstand gebären möchtest – mehr dazu bei den Geburtspositionen.
  • Eingriffe: dass Du vor Wehenmittel, dem Öffnen der Fruchtblase oder einem Dammschnitt kurz informiert werden möchtest, wenn die Lage es zulässt.
  • Die erste Stunde: Haut-zu-Haut-Kontakt direkt nach der Geburt, wer die Nabelschnur durchtrennt, Ruhe für das erste Anlegen.
  • Ernährung des Babys: ob Du stillen möchtest und Hilfe beim Anlegen wünschst oder die Flasche geben willst.
  • Persönliches: Ängste, eine schwierige frühere Geburt, Allergien, Sprache oder Glaubensfragen, die das Team kennen sollte.

Wann Du ihn schreibst und mit wem Du ihn besprichst

Ein guter Zeitpunkt ist das letzte Drittel der Schwangerschaft, wenn der Geburtsvorbereitungskurs läuft und Du Klinik oder Geburtshaus schon kennst. Geh den Entwurf mit Deiner Hebamme durch und nimm ihn zum Anmeldegespräch in der Geburtsklinik mit. Dort erfährst Du, was im Haus möglich ist – nicht jede Klinik bietet jede Form der Schmerzlinderung oder eine Wanne im Kreißsaal. Wie eine Klinik das Thema angeht, zeigt beispielhaft die Geburtsplan-Vorlage des Universitätsklinikums Ulm. Wichtig ist, dass Deine Begleitperson den Plan kennt: Unter Wehen wirst Du kaum alles selbst erklären wollen.

Wenn die Geburt anders verläuft

Ein Geburtsplan ist eine Wunschliste, kein Vertrag. Wird es medizinisch eng, etwa weil die Herztöne des Babys abfallen, hat die Sicherheit von Euch beiden Vorrang, und das Team muss schnell handeln. Denk diese Möglichkeit deshalb gleich mit: Was wäre Dir bei einem Notkaiserschnitt wichtig – dass Deine Begleitung beim Baby bleibt, dass Du es so früh wie möglich auf die Brust bekommst? Wer seine Prioritäten vorher aufgeschrieben hat, kann auch in einer unerwarteten Lage leichter sagen, worauf es jetzt noch ankommt.

Wie lang er sein sollte und wo er hingehört

Eine Seite reicht, höchstens zwei. Stichpunkte sind besser als Fließtext, das Wichtigste steht oben. Ein Exemplar legst Du zum Mutterpass in die Kliniktasche, eins gibst Du bei der Aufnahme im Kreißsaal ab, und Deine Begleitung hat ein drittes dabei.

Praxisbeispiel

Anna erwartet ihr erstes Kind. In ihrem Plan stehen fünf Punkte: Ihr Partner bleibt die ganze Zeit dabei, auch im OP. Sie möchte zuerst Wanne und Atmung ausprobieren, eine PDA aber nicht ausschließen. Vor Eingriffen möchte sie kurz gefragt werden. Nach der Geburt soll das Baby sofort auf ihre Brust, und sie möchte stillen. Beim Anmeldegespräch erfährt sie, dass die Wanne nicht immer frei ist, und ergänzt „wenn möglich“. Am Ende wird es eine Saugglocken-Geburt – die Hebamme erklärt ihr jeden Schritt, und das Baby liegt trotzdem gleich auf ihrer Brust.

Vorlage zum Ausdrucken

Drucke diese Seite aus oder übertrage die Tabelle auf ein Blatt und fülle die rechte Spalte aus. Streiche, was Dir nicht wichtig ist.

Thema Meine Wünsche
Name, errechneter Termin, Geburtsklinik  
Wer begleitet mich?  
Was mir hilft, mich wohlzufühlen  
Schmerzlinderung: was zuerst, wie stehe ich zur PDA?  
Bewegung und Geburtspositionen  
Eingriffe: worüber möchte ich vorher informiert werden?  
Falls ein Kaiserschnitt nötig wird  
Die erste Stunde mit dem Baby  
Stillen oder Flasche  
Was das Team sonst über mich wissen sollte  

Körper und Geist vorbereiten

Beckenbodenübungen, Dammmassage und Entspannungstechniken können die Geburt erleichtern. Genauso wichtig ist die innere Einstellung: Vertraue darauf, dass Dein Körper weiß, was zu tun ist.

Häufige Frage

Wann sollte ich den Geburtsvorbereitungskurs machen?

Idealerweise im dritten Trimester, etwa ab der 28. bis 30. SSW. Melde Dich aber früh an, da Kurse schnell ausgebucht sind.

Dammmassage als Teil der Vorbereitung

Ab etwa der 34. Woche, spätestens in den letzten vier Wochen vor dem Termin, kannst Du mit einer Dammmassage beginnen. Bei Frauen, die noch kein Kind vaginal geboren haben, senkt sie laut einer Cochrane-Auswertung die Wahrscheinlichkeit, dass ein Dammschnitt nötig wird oder eine Geburtsverletzung genäht werden muss. Wie sie genau geht und wie oft Du massierst, liest Du im Ratgeber zur Dammmassage.

Verzichte auf die Massage bei vorzeitigen Wehen, bei einer Infektion im Genitalbereich oder wenn die Fruchtblase gesprungen ist, und sprich im Zweifel vorher mit Deiner Hebamme oder Deiner Frauenärztin.

Bekomme ich zwangsläufig einen Dammschnitt?

Nein, im Gegenteil – der routinemäßige Dammschnitt gilt heute als überholt und wird nur noch bei klarer Indikation durchgeführt, etwa bei drohendem Sauerstoffmangel des Kindes. Ein kleiner natürlicher Riss heilt oft besser als ein Schnitt.

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