Die Dammmassage gehört zu den wenigen Maßnahmen der Geburtsvorbereitung, für die es belastbare Studien gibt. Und die Ergebnisse sind ermutigend: Sie kann Geburtsverletzungen tatsächlich reduzieren – besonders bei der ersten vaginalen Geburt.
Hier erfährst Du, was die Forschung dazu sagt, ab wann Du beginnst, wie die Massage praktisch geht und worauf Du achten solltest.
Was die Studien zeigen
Die Auswertung von vier Studien mit fast 2.500 Schwangeren kommt zu einem klaren Bild: Eine vorbereitende Dammmassage in den letzten Schwangerschaftswochen senkt das Risiko für Geburtsverletzungen. Dammrisse traten seltener auf, und ein Dammschnitt war häufiger vermeidbar.
Der Effekt zeigt sich vor allem bei Frauen, die zum ersten Mal vaginal gebären. Das ist plausibel, denn beim zweiten Kind ist das Gewebe bereits gedehnt worden.
Ehrlich dazugesagt: Eine Garantie ist das nicht. Ob es bei der Geburt zu einer Verletzung kommt, hängt von vielen Faktoren ab – von der Geburtsposition über das Tempo der Austreibungsphase bis zur Größe des Kindes. Die Dammmassage verbessert die Chancen, sie entscheidet nicht allein.
Ab wann und wie oft?
Der günstigste Zeitpunkt für den Start ist die 36. Schwangerschaftswoche. Der Grund ist hormonell: Gegen Ende der Schwangerschaft wird das Gewebe ohnehin weicher und nachgiebiger – die Massage unterstützt genau diesen Prozess.
Als Rhythmus haben sich etwa fünf bis zehn Minuten täglich oder jeden zweiten Tag bewährt. Mehr bringt nicht mehr. Wichtiger als die Dauer ist die Regelmäßigkeit.
So geht die Massage
- Hände waschen, Fingernägel kurz. Eine warme Dusche oder ein warmes Bad vorher macht das Gewebe weicher.
- Such Dir eine bequeme Position: halb sitzend, mit angewinkelten Beinen, oder ein Bein auf dem Wannenrand. Ein Spiegel hilft beim ersten Mal zur Orientierung.
- Etwas Öl auf Daumen und Damm geben – das ist der Bereich zwischen Scheide und After.
- Führ ein bis zwei Daumen etwa zwei bis drei Zentimeter in die Scheide ein und übe sanften Druck nach unten Richtung After aus, bis Du ein leichtes Spannungsgefühl spürst.
- Halte den Druck etwa eine Minute, dann streich in einem U-Bogen langsam nach links und rechts.
- Zum Schluss den Damm zwischen Daumen und Zeigefinger sanft walken.
Es soll spannen, aber nicht schmerzen. Schmerz ist kein Trainingseffekt, sondern ein Zeichen, dass Du zu stark drückst.
Der Partner kann die Massage übernehmen – dann ist der Winkel oft einfacher. Ebenso gut geht es allein, gerade in den letzten Wochen mit größerem Bauch.
Welches Öl?
Geeignet sind reine Pflanzenöle wie Mandel-, Oliven- oder Weizenkeimöl sowie spezielle Dammmassageöle*. Sie enthalten meist eine Mischung aus Pflanzenölen und sind auf die Anwendung abgestimmt.
Was Du nicht brauchst: die als Hilfsmittel angebotenen aufblasbaren Silikonballons. Die Methode funktioniert mit der Hand ausgezeichnet – Geräte sind nicht notwendig.
Ätherische Öle gehören nicht auf den Damm; sie können die Schleimhaut reizen.
Wann Du damit warten oder aufhören solltest
- bei vorzeitigen Wehen oder wenn Dir Bettruhe verordnet wurde
- bei einer Scheideninfektion oder Pilzinfektion – erst behandeln lassen
- bei Blutungen oder nach einem Blasensprung
- bei Herpesbläschen im Intimbereich
Sprich den Beginn der Dammmassage einmal mit Deiner Hebamme ab – gerade bei Auffälligkeiten in der Schwangerschaft.
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Häufige Fragen
Hilft Dammmassage auch beim zweiten Kind?
Der nachgewiesene Effekt ist bei Erstgebärenden am deutlichsten. Schaden kann sie aber auch danach nicht, und viele Frauen empfinden sie als gute Vorbereitung.
Ersetzt die Massage einen Dammschutz bei der Geburt?
Nein. Beides ergänzt sich: Die Hebamme kann während der Austreibungsphase zusätzlich mit warmen Kompressen und gezieltem Gegendruck arbeiten.
Was ist mit einem geplanten Kaiserschnitt?
Dann ist die Dammmassage nicht nötig. Steht die Entscheidung noch nicht fest, spricht nichts dagegen, vorsorglich zu beginnen.