U2 Untersuchung: Neugeborenen-Screening, Pulsoxymetrie und Hörtest

Die U2 ist die erste ausführliche Untersuchung Deines Babys von Kopf bis Fuß. Sie findet in den ersten Lebenstagen statt – noch in der Klinik oder bereits in der Kinderarztpraxis. Ihr Kern sind gleich mehrere Screenings, die schwere, aber gut behandelbare Erkrankungen aufspüren, bevor sie überhaupt Beschwerden machen. Hier erfährst Du, was bei der U2 genau passiert und welche Erkrankungen das Neugeborenen-Screening abdeckt.

Wann findet die U2 statt?

Das ideale Zeitfenster liegt zwischen dem 3. und 10. Lebenstag, die Toleranzgrenze reicht bis zum 14. Tag. Bei einer Klinikgeburt wird die U2 oft noch vor der Entlassung dort durchgeführt, sonst übernimmt sie die Kinderarztpraxis. Sie folgt auf die U1 direkt nach der Geburt; einen Gesamtüberblick über alle Termine findest Du bei den U-Untersuchungen.

Das erweiterte Neugeborenen-Screening

Aus wenigen Tropfen Blut aus der Ferse – dem sogenannten Fersenbluttest – wird Dein Baby auf eine Reihe angeborener Stoffwechsel-, Hormon- und weiterer Erkrankungen untersucht. Der Gedanke dahinter: Viele dieser Krankheiten machen anfangs keine Beschwerden, richten aber unbehandelt schweren Schaden an. Werden sie früh erkannt, lassen sie sich oft gut behandeln – etwa durch eine spezielle Ernährung oder Medikamente.

Seit dem 15. Mai 2026 umfasst das Screening 20 Zielkrankheiten – vorher waren es 16. Neu hinzugekommen sind der Vitamin-B12-Mangel, die Homocystinurie, die Propionazidämie und die Methylmalonazidurie. Zu den geprüften Erkrankungen gehören unter anderem:

  • angeborene Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und das Adrenogenitale Syndrom
  • Phenylketonurie, Ahornsirupkrankheit und weitere Aminosäure-Stoffwechselstörungen
  • Störungen des Fettsäureabbaus wie MCAD-, LCHAD- und VLCAD-Mangel sowie Carnitinstoffwechseldefekte
  • Galaktosämie und Biotinidasemangel
  • Tyrosinämie Typ I, Glutarazidurie Typ I und Isovalerianazidämie
  • Mukoviszidose (zystische Fibrose)
  • spinale Muskelatrophie (SMA) und schwerer kombinierter Immundefekt (SCID)
  • Sichelzellkrankheit

Damit die Werte aussagekräftig sind, sollte die Blutentnahme im richtigen Zeitfenster erfolgen. Wird die U2 sehr früh durchgeführt, kann ein zweiter Test nötig sein. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet übrigens nicht automatisch, dass Dein Baby krank ist – es folgt dann eine gezielte Kontrolluntersuchung zur Abklärung.

Pulsoxymetrie-Screening auf Herzfehler

Zusätzlich wird die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen – das Pulsoxymetrie-Screening. Ein kleiner Lichtsensor am Fuß erfasst schmerzlos und in wenigen Sekunden, wie viel Sauerstoff das Blut enthält. Ein zu niedriger Wert kann ein Hinweis auf einen kritischen angeborenen Herzfehler sein, der bei den Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft nicht immer auffällt. Seit 2017 hat jedes Neugeborene in Deutschland einen Anspruch auf dieses Screening; es wird üblicherweise nach den ersten 24 Lebensstunden durchgeführt.

Hörscreening

Auch das Gehör wird geprüft. Das Neugeborenen-Hörscreening ist ein schmerzloser Test, der meist im Schlaf durchgeführt wird und eine angeborene Hörstörung früh aufspürt. Fällt der erste Test auffällig aus – oft nur, weil noch Fruchtwasser im Ohr sitzt –, wird er wiederholt oder ein genauerer Kontrolltest angeschlossen. Ein früh erkanntes Hörproblem lässt sich rechtzeitig behandeln, was für die spätere Sprachentwicklung entscheidend ist. Mehr dazu, wie Kinder sprechen lernen, liest Du in unserem Ratgeber zum Sprechenlernen.

Gründliche körperliche Untersuchung und Beratung

Neben den Screenings untersucht die Ärztin Dein Baby gründlich: Haut, Kopf, Organe, Reflexe sowie die Funktion von Herz und Lunge. Ein wichtiges Thema ist die Neugeborenengelbsucht – eine in den ersten Lebenstagen häufige und meist harmlose Gelbfärbung der Haut, die aber im Blick behalten wird. Außerdem bekommt Dein Baby die zweite Gabe der Vitamin-K-Prophylaxe. Und Du erhältst erste Beratung zu Ernährung und Stillen sowie – als Vorbeugung gegen Knochenerweichung und Karies – zu Vitamin D und Fluorid. Die passenden Präparate und die genaue Dosierung legt Deine Kinderarztpraxis fest.

Checkliste: Das bringst Du zur U2 mit

  • das gelbe Kinderuntersuchungsheft
  • den Impfpass (falls schon vorhanden)
  • bei Klinikgeburt: den Entlassungsbrief, falls die U2 in der Praxis stattfindet
  • Notizen zu Auffälligkeiten beim Trinken, Schlafen oder Ausscheiden
  • etwas zum Wickeln und eine Ersatzwindel

Häufige Fragen zur U2

Tut das Neugeborenen-Screening meinem Baby weh?

Die Blutentnahme aus der Ferse ist nur ein kurzer Piks. Stillen, Kuscheln oder ein Tropfen Zuckerlösung direkt davor oder danach beruhigen Dein Baby schnell. Pulsoxymetrie und Hörscreening sind völlig schmerzfrei.

Muss ich dem Screening zustimmen?

Ja, das Neugeborenen-Screening ist freiwillig und Du wirst vorher aufgeklärt. Es ist aber ausdrücklich empfohlen, weil viele der geprüften Erkrankungen nur dann rechtzeitig behandelt werden können, wenn sie früh entdeckt werden.

Was passiert bei einem auffälligen Ergebnis?

Ein auffälliges Screening ist noch keine Diagnose. Es folgt eine gezielte Kontrolluntersuchung, die Entwarnung geben oder die Erkrankung bestätigen kann. Erst dann wird über eine Behandlung entschieden.

Was kommt nach der U2?

Die nächste Vorsorge ist die U3 in der 4. bis 5. Lebenswoche – dann steht unter anderem der Hüftultraschall im Mittelpunkt.

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