Stand: 9. Oktober 2026. Der vollständige Herbsttest von ADAC und Stiftung Warentest erscheint erst Ende Oktober. Sobald die Ergebnisse vorliegen, ergänzen wir diesen Beitrag.
Eigentlich wollten ADAC und Stiftung Warentest ihren neuen Kindersitztest erst Ende Oktober vorstellen. Zwei Ergebnisse waren aber so ernst, dass beide am 6. Oktober 2026 vorab gewarnt haben. Eines davon betrifft eine Babyschale, die in vielen Familien im Auto steht: die Britax Römer Baby-Safe Pro auf der drehbaren Isofix-Station Vario Base 5Z. Beim nachgestellten Frontalunfall ging in der Liegeposition das Gurtschloss auf, und der Testdummy flog aus der Schale. Hier liest Du, was genau passiert ist, ob Deine Schale betroffen ist und wie Du sie bis zu einer Lösung des Herstellers sicher nutzt.
Das Wichtigste in Kürze: Kritisch ist eine ganz bestimmte Kombination, nämlich die Baby-Safe Pro auf der Vario Base 5Z in Liegeposition. Stellst Du die Schale auf der Station aufrecht ein, hielt sie im Test. Ebenfalls sicher war die Schale ohne Station, angeschnallt mit dem Dreipunktgurt des Autos, und zwar aufrecht wie liegend. Britax Römer sucht noch nach der Ursache, einen Rückruf oder kostenlosen Austausch gibt es bisher nicht. Der zweite Sitz mit dem Urteil „mangelhaft“, der Axkid Minikid Core, wird vom Hersteller bereits zurückgerufen.
Was beim Crashtest mit der Baby-Safe Pro passiert ist
ADAC und Stiftung Warentest prüfen Kindersitze jedes Frühjahr und jeden Herbst gemeinsam mit internationalen Partnern. Für die Herbstrunde 2026 laufen die Crashversuche noch. Bei der Baby-Safe Pro haben die Prüfer den Frontalaufprall unter anderem in der flachen Liegeposition auf der Isofix-Station Vario Base 5Z nachgestellt. In der Schale saß dabei ein Dummy mit einem Gewicht von 11 Kilogramm.
Beim Aufprall zerrten große Kräfte am Hosenträgergurt und an seinem Schloss. In der flachen Lage wird der kleine Körper von der Schale schlechter abgestützt, und nach Beobachtung der Stiftung Warentest bog sich die Schale zusätzlich stark nach hinten. Die Folge: Die Rasthaken aus Kunststoff an der Gurtzunge brachen ab, das Gurtschloss sprang auf, und der Dummy wurde aus der Babyschale geschleudert. Den Schutz beim Frontalaufprall bewertet der ADAC deshalb mit „mangelhaft“.
In den anderen Einbauvarianten sah das Ergebnis ganz anders aus. Auf der Vario Base 5Z in aufrechter Stellung hielt die Schale dem Aufprall stand und bot guten Schutz. Und wer die Baby-Safe Pro ganz ohne Station mit dem Dreipunktgurt des Fahrzeugs befestigt, war im Test ebenfalls auf der sicheren Seite: Das Gurtschloss blieb dabei sowohl in Sitz- als auch in Liegeposition zu. Der ADAC erklärt das unter anderem damit, dass der Fahrzeuggurt um das Kopfende der Schale herumläuft und sie so zusätzlich stützt.
Zugelassen ist die Babyschale für Kinder von 40 bis 85 Zentimeter Körpergröße, nach Angaben der Stiftung Warentest also etwa bis zum Alter von 18 Monaten. Sarah Vasconi, Testleiterin der Stiftung Warentest, wird deutlich: „Das Versagen von Gurtschloss oder Stützfuß beim Crash ist inakzeptabel.“
Welche Einbauart betroffen ist – und welche nicht
Für Dich kommt es also vor allem darauf an, wie die Schale in Deinem Auto befestigt ist. Die Übersicht fasst zusammen, was die Vorabwarnung zu den einzelnen Varianten sagt:
| Sitz und Einbauart | Ergebnis im Crashtest | Was Du tun solltest |
|---|---|---|
| Baby-Safe Pro auf Vario Base 5Z, Liegeposition | Gurtschloss öffnete sich, Dummy aus der Schale geschleudert („mangelhaft“) | So nicht mehr nutzen |
| Baby-Safe Pro auf Vario Base 5Z, aufrecht | Schale hielt stand, guter Schutz | Weiter möglich |
| Baby-Safe Pro ohne Station, mit Dreipunktgurt (aufrecht oder liegend) | Gurtschloss blieb geschlossen | Weiter möglich, auf korrekten und straffen Gurtverlauf achten |
| Axkid Minikid Core (Reboarder), Liegeposition | Stützfuß gab nach, Sitzschale brach am Gurtschloss („mangelhaft“) | Nicht mehr nutzen, Rückruf läuft |
Von Britax Römer nennt die Vorabwarnung ausschließlich diese eine Kombination aus Schale und Station. Wie die übrigen Babyschalen und Kindersitze der Herbstrunde abschneiden, zeigt erst die vollständige Auswertung.
Du hast eine Baby-Safe Pro? So nutzt Du sie jetzt sicher
Wegwerfen musst Du die Schale nicht. ADAC und Stiftung Warentest raten aber dazu, die Liegeposition auf der Isofix-Station vorerst nicht mehr zu verwenden. Du hast zwei Möglichkeiten:
- Auf der Vario Base 5Z bleiben, aber nur aufrecht: Stell die Schale auf der Station in die aufrechte Position und verzichte auf die Liegestellung. So hat sie im Test gehalten.
- Ohne Station mit dem Autogurt anschnallen: Dann ist laut Test auch die Liegeposition möglich. Der Beckengurt verläuft über das Fußende der Schale, der Schultergurt um das Kopfende herum. Zieh den Gurt straff, damit die Schale fest sitzt.
Beim Einbau mit dem Fahrzeuggurt schleichen sich leicht Fehler ein. Schon nach dem Frühjahrstest hatte der ADAC darauf hingewiesen, dass Eltern Becken- und Schultergurt häufig vertauschen. Nimm Dir deshalb einmal die Bedienungsanleitung vor, dort ist der richtige Gurtverlauf genau beschrieben. Wenn Du unsicher bist, lass Dir den Einbau im Fachgeschäft zeigen.
Melde Dich außerdem bei Britax Römer und bei dem Geschäft, in dem Du die Schale gekauft hast. Der Hersteller gibt an, dass eigene Tests keine Auffälligkeiten gezeigt hätten. Über eine Überarbeitung, einen Austausch oder einen Rückruf will er erst entscheiden, wenn die technische Untersuchung abgeschlossen ist. Leg Dir bis dahin den Kaufbeleg zurecht und behalte die Mitteilungen des Herstellers im Blick.
Beispiel: Die lange Fahrt zu Oma und Opa
Jana und Felix fahren mit ihrer fünf Monate alten Tochter Mia alle paar Wochen zu den Großeltern, gut zwei Stunden über die Autobahn. Die Baby-Safe Pro steht bei ihnen auf der Vario Base 5Z, und für diese Strecke haben sie die Schale bisher flach gestellt, damit Mia ruhiger schläft. Nach der Warnung ändern sie zwei Dinge. Im Alltag bleibt die Schale auf der Station, aber nur noch aufrecht. Für die lange Fahrt schnallen sie die Schale ohne Station mit dem Dreipunktgurt an, denn in dieser Einbauart hat auch die Liegeposition im Test gehalten. Den Gurtverlauf haben sie sich einmal im Fachgeschäft zeigen lassen, damit beim Einbau nichts vertauscht wird. Außerdem haben sie den Kassenbon herausgesucht und Britax Römer angeschrieben, um von einer möglichen Lösung direkt zu erfahren.
Axkid Minikid Core: Rückruf und kostenloser Austausch
Der zweite Sitz mit dem Urteil „mangelhaft“ ist der Axkid Minikid Core, ein Reboarder, in dem Kinder bis zu einer Körpergröße von 125 Zentimetern rückwärts mitfahren. Im Test saß darin ein Dummy von 23 Kilogramm, was laut Stiftung Warentest etwa einem sechsjährigen Kind entspricht. In der Liegeposition löste sich beim Aufprall die Verriegelung des Stützfußes, und der Fuß fuhr komplett ein. Zusätzlich brach die Sitzschale aus Kunststoff rund um das Gurtschloss, das Schloss wurde herausgerissen, und das Becken des Dummys schnellte nach oben. Der ADAC sieht ein hohes Verletzungsrisiko, unter anderem weil die Halswirbelsäule stark abknickte.
Axkid hat bereits am 22. September 2026 einen freiwilligen Rückruf gestartet und den Verkauf gestoppt. Betroffen sind nach Angaben des Herstellers bestimmte Produktionschargen. Wer einen Minikid Core besitzt, registriert ihn über ein Formular auf der Webseite von Axkid und gibt dabei die Kennung des Sitzes und die eigenen Kontaktdaten an. Als Ersatz gibt es kostenlos den Axkid Minikid 4 Pro, eine überarbeitete Version des Minikid Core soll später folgen. Als Erkennungsmerkmal nennt die Stiftung Warentest die Zulassungsnummer auf dem Aufkleber am Sitz, die mit „E9“ beginnt.
Uneins sind sich Hersteller und Tester bei der Frage, ob der Sitz bis zum Austausch weiter benutzt werden darf. Axkid hält das nach eigener Sicherheitsbewertung für vertretbar, weil der Sitz alle gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Die Stiftung Warentest rät dagegen dringend davon ab. Im Zweifel solltest Du der deutlicheren Warnung folgen und Dein Kind bis zum Ersatz in einem anderen passenden Sitz mitnehmen.
Warum ein zugelassener Sitz im Test durchfallen kann
Verboten sind beide Modelle nicht: Sie halten die gesetzlichen Vorgaben ein und bleiben in Europa im Handel. Wie passt das zur Note „mangelhaft“? Für die Zulassung nach der UN-Regelung 129, besser bekannt als i-Size, muss ein Sitz einen Crashtest mit festgelegten Kräften bestehen. ADAC und Stiftung Warentest legen die Messlatte höher: Ihr Frontalcrash ist so heftig angesetzt wie die Aufpralltests, mit denen Euro NCAP heute neue Autos bewertet. Auf Gurt, Schale und Befestigung lasten dabei spürbar größere Kräfte als bei der Zulassung. Der Schweizer Touring Club TCS, der die Warnung ebenfalls verbreitet hat, begründet das mit den heutigen, steiferen Fahrzeugen. Die Norm beruhe dagegen auf Fahrzeugmerkmalen aus den 1980er-Jahren.
Viele Kindersitze bestehen auch diese strengere Prüfung. Für Dich als Mutter oder Vater ist das trotzdem eine wichtige Lehre: Die Zulassung auf dem Sitz zeigt nur, dass die Mindestanforderungen erfüllt sind. Wie gut ein Sitz Dein Kind bei einem schweren Unfall schützt, verraten erst unabhängige Tests.
Was rechtlich gilt: Geld zurück oder Umtausch?
Ein schlechtes Testergebnis gibt Dir nicht automatisch das Recht, die Babyschale zurückzugeben oder umzutauschen. Darauf weist der ADAC ausdrücklich hin. Liegt Dein Kauf weniger als zwei Jahre zurück, kommt allerdings die gesetzliche Gewährleistung infrage, also die Sachmängelhaftung des Händlers. Ob sie in Deinem Fall greift, lässt sich nur im Einzelfall klären.
In der Praxis heißt das: Frag zuerst bei Deinem Händler nach, ob er die Schale zurücknimmt oder tauscht, und bitte zusätzlich den Hersteller um eine kulante Lösung. Leg beiden den Kaufbeleg vor und nenne die genaue Bezeichnung von Schale und Isofix-Station. Beim Axkid Minikid Core ist der Weg einfacher, denn dort läuft bereits ein Rückruf mit kostenlosem Ersatz.
Was der vollständige Herbsttest bringt
Die Ergebnisse aller neu geprüften Babyschalen und Kindersitze wollen ADAC und Stiftung Warentest Ende Oktober 2026 veröffentlichen, der TCS nennt dafür den 20. Oktober. Dann siehst Du auch, welche Modelle besonders gut abschneiden. Auf test.de sind schon jetzt die Ergebnisse von mehr als 180 getesteten Sitzen abrufbar.
Ein Blick auf den Frühjahrstest vom 26. Mai 2026 zeigt, wie unterschiedlich die Ergebnisse ausfallen können. Von 26 geprüften Babyschalen und Kindersitzen erhielten sechs die Note „gut“, vier waren nicht empfehlenswert. Am schlechtesten schnitt die Babyschale Kinderkraft Mink Pro 2 mit Isofix-Basis ab (Note 5,5), weil sie sich bei einem Unfall von der Basis lösen kann. Unter den Babyschalen hob der ADAC die Foppapedretti Disk Infant mit Isofix-Station hervor (Note 1,9). Sie gehörte zu den nur zwei Modellen der Runde, die in allen Prüfbereichen wenigstens „gut“ abschnitten.
Wenn Du gerade eine Babyschale kaufen willst und die Geburt noch ein paar Wochen entfernt ist, kann sich das Warten auf den neuen Test lohnen. Teste die Schale am besten im Fachgeschäft und lass sie dort probeweise in Dein Auto setzen. Online ohne Anprobe zu bestellen, hält der ADAC für keine gute Idee. Spätestens für die Heimfahrt aus der Klinik muss die Babyschale bereitstehen, mehr dazu in unserer Checkliste für die Kliniktasche. Welche Sitzgruppen es gibt und wann Dein Kind in den nächsten Sitz wechselt, erklären wir im Beitrag zu den Kindersitz-Gruppen. Was sonst noch auf die Liste gehört, steht in unserer Übersicht zur Erstausstattung fürs Baby.
Häufige Fragen
Ist meine Babyschale betroffen, wenn ich keine Vario Base 5Z habe?
Nach der Vorabwarnung nicht. Mit dem Dreipunktgurt des Autos angeschnallt blieb das Gurtschloss der Baby-Safe Pro im Test sowohl aufrecht als auch liegend geschlossen. Wichtig ist, dass Du den Gurt richtig führst und straff ziehst.
Darf ich die Liegeposition auf der Isofix-Station noch nutzen?
Davon raten ADAC und Stiftung Warentest ab. Auf der Vario Base 5Z solltest Du die Schale nur noch aufrecht verwenden, bis Britax Römer eine Lösung vorlegt.
Gibt es einen Rückruf für die Baby-Safe Pro?
Bisher nicht (Stand: 9. Oktober 2026). Britax Römer untersucht die Ursache und will danach entscheiden, ob die Schale überarbeitet, ausgetauscht oder zurückgerufen wird.
Bekomme ich mein Geld zurück?
Einen automatischen Anspruch gibt es nicht. Liegt der Kauf weniger als zwei Jahre zurück, kann die Sachmängelhaftung des Händlers greifen, das hängt vom Einzelfall ab. Frag beim Händler und beim Hersteller nach.
Wann erscheint der komplette ADAC-Kindersitztest?
Ende Oktober 2026, der TCS nennt den 20. Oktober. Wir ergänzen diesen Beitrag dann um die wichtigsten Ergebnisse.
Quellen: ADAC, Meldung vom 6. Oktober 2026 (adac.de); Stiftung Warentest, Pressemitteilung vom 6. Oktober 2026 (test.de); TCS, Medienmitteilung vom 6. Oktober 2026 (tcs.ch); Axkid, Rückrufmitteilung vom 22. September 2026 (mynewsdesk.com); ADAC, Kindersitztest Frühjahr 2026 (presse.adac.de). Stand: 9. Oktober 2026.
