Mit der U9 kurz vor der Einschulung endet die Reihe der gesetzlich verankerten Vorsorgeuntersuchungen — und bis zur J1 mit 12 Jahren würde ohne weiteren Check eine Lücke von mehreren Jahren klaffen. Genau hier setzt die U10 an: Sie ist die Vorsorgeuntersuchung für Grundschulkinder zwischen 7 und 8 Jahren und nimmt vor allem das in den Blick, was jetzt neu ist — Lesen, Schreiben, Rechnen und das Zurechtkommen in der Schule.
Die U10 ist keine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung, aber die Mehrheit der Kassen übernimmt sie inzwischen freiwillig. Hier erfährst Du, was untersucht wird, was die U10 kostet und wie Du herausfindest, ob Deine Kasse zahlt.
Wann findet die U10 statt — und warum gibt es sie?
Die U10 ist für Kinder im Alter von 7 bis 8 Jahren gedacht, also etwa in der zweiten oder dritten Klasse. Entwickelt wurde sie vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), um die lange vorsorgefreie Zeit zwischen U9 und J1 zu überbrücken. Weil sie nicht in der Kinder-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses steht, wird sie nicht im gelben Untersuchungsheft dokumentiert, sondern in einem eigenen grünen Vorsorge-Checkheft, das Du in der Kinderarztpraxis bekommst. Wie das gesamte Vorsorgesystem aufgebaut ist, zeigt Dir unser Überblick über die U-Untersuchungen.
Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Nach ein bis zwei Schuljahren zeigt sich meist deutlich, ob ein Kind gut mitkommt — oder ob es beim Lesen, Schreiben oder Rechnen hakt. Je früher eine Lernschwäche erkannt wird, desto besser lässt sie sich auffangen, bevor Frust und Schulunlust entstehen.
Was wird bei der U10 untersucht?
Wie bei jeder Vorsorge gehören Größe, Gewicht, Blutdruck sowie ein Seh- und Hörtest dazu. Auch Motorik und Koordination prüft die Ärztin oder der Arzt — etwa durch Balancieren, Hüpfen auf einem Bein oder Fangübungen. Der eigentliche Schwerpunkt der U10 liegt aber auf der schulischen Entwicklung und dem Verhalten Deines Kindes.
Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) erkennen
Verdreht Dein Kind beim Lesen hartnäckig Buchstaben, rät es Wörter, statt sie zu erlesen, oder schreibt es dasselbe Wort in einem Text auf drei verschiedene Arten? Solche Beobachtungen fragt die Praxis gezielt ab — meist über standardisierte Elternfragebögen, teils ergänzt durch kurze Lese- und Schreibproben. Erhärtet sich ein Verdacht, überweist sie weiter, etwa an ein Sozialpädiatrisches Zentrum oder zur ausführlichen Diagnostik in eine kinder- und jugendpsychiatrische Praxis.
Dyskalkulie: Wenn Zahlen Rätsel bleiben
Ähnlich läuft es beim Rechnen: Kann ein Kind Ende der zweiten Klasse Mengen schlecht abschätzen, zählt es einfache Aufgaben immer noch an den Fingern ab oder verrutscht es ständig im Zahlenraum bis 100, kann eine Rechenschwäche dahinterstecken. Die U10 ersetzt keine vollständige Diagnostik — aber sie ist oft der erste Ort, an dem der Verdacht ernst genommen und der Weg zur Abklärung geebnet wird.
ADHS-Screening: Konzentration und Impulsivität
Auch Aufmerksamkeit und Impulskontrolle sind Thema. Die Praxis nutzt dafür Fragebögen für Eltern — oft zusätzlich für Lehrkräfte — und beobachtet das Kind im Gespräch: Kann es zuhören, bei einer Aufgabe bleiben, abwarten? Wichtig zu wissen: Ein lebhaftes Kind hat noch lange kein ADHS. Das Screening soll die Kinder herausfiltern, bei denen eine genauere Abklärung sinnvoll ist — mehr nicht.
Die U10 auf einen Blick
| Eckpunkt | Details |
|---|---|
| Alter | 7 bis 8 Jahre (etwa 2./3. Klasse) |
| Dauer | rund eine halbe Stunde, mit Fragebögen oft länger |
| Leistungsstatus | keine gesetzliche Regelleistung — viele Kassen zahlen freiwillig |
| Kosten ohne Kassenübernahme | meist rund 40 bis 60 Euro (Abrechnung nach GOÄ) |
| Dokumentation | grünes Vorsorge-Checkheft des BVKJ |
| Schwerpunkte | LRS, Dyskalkulie, ADHS, Motorik, Sehen und Hören |
Welche Krankenkassen zahlen die U10?
Die U10 gehört nicht zum gesetzlichen Leistungskatalog — Grundlage der Pflicht-Vorsorgen ist die Kinder-Richtlinie des G-BA, und dort endet die Reihe im Vorschulalter. Trotzdem musst Du die U10 in vielen Fällen nicht selbst bezahlen: Die Mehrheit der gesetzlichen Kassen übernimmt sie inzwischen als freiwillige Satzungsleistung. Manche Kassen haben dafür Verträge mit dem BVKJ geschlossen — dann läuft die Abrechnung direkt über die Versichertenkarte. Andere erstatten die Kosten ganz oder teilweise, nachdem Du die Rechnung eingereicht hast.
Weil sich diese freiwilligen Leistungen jedes Jahr ändern können, findest Du hier bewusst keine Kassenliste. Verlässlich ist nur der direkte Weg: Ruf bei Deiner Kasse an oder schau in der App unter Stichworten wie „U10“ oder „zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen“ — und frag konkret, ob per Karte abgerechnet wird oder Du in Vorleistung gehen musst.
Zahlst Du selbst, rechnet die Praxis nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab. Je nach Umfang liegen die Kosten meist in der Größenordnung von 40 bis 60 Euro. Gemessen daran, was eine früh erkannte Lernschwäche Deinem Kind an Frust erspart, ist das gut investiertes Geld.
So bereitest Du Dein Kind vor
Viel vorbereiten musst Du nicht — ein paar Dinge machen den Termin aber deutlich ergiebiger:
- Gelbes Untersuchungsheft und — falls vorhanden — das grüne Vorsorge-Checkheft mitbringen.
- Impfausweis einpacken: Die Praxis prüft auch anstehende Impfungen. Einen Überblick gibt Dir unser Impfkalender.
- Brille oder Hörgerät mitnehmen, falls Dein Kind eines trägt.
- Das letzte Zeugnis oder Rückmeldungen der Lehrkraft bereithalten.
- Eigene Beobachtungen notieren: Wie laufen Hausaufgaben, Konzentration, Schlaf?
Erkläre Deinem Kind vorher, dass es bei diesem Termin vor allem ums Gespräch geht — nicht um Spritzen. Und wenn Dich Lern- und Schulthemen gerade ohnehin beschäftigen, findest Du in unserer Rubrik Erziehung weitere Anregungen.
Häufige Fragen zur U10
Ist die U10 Pflicht?
Nein. Anders als bei den U-Untersuchungen bis zur U9, an deren Teilnahme in vielen Bundesländern erinnert wird, ist die U10 komplett freiwillig. Kinder- und Jugendärzte empfehlen sie aber ausdrücklich — gerade weil das Grundschulalter sonst vorsorgefrei bliebe.
Was passiert, wenn die Praxis eine LRS oder ADHS vermutet?
Dann folgt eine ausführliche Diagnostik, zum Beispiel in einem Sozialpädiatrischen Zentrum oder einer kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis. Parallel lohnt das Gespräch mit der Schule: Bei einer bestätigten LRS oder Dyskalkulie kann Dein Kind einen Nachteilsausgleich bekommen.
Mein Kind ist schon 9 — ist die U10 verpasst?
Kein Drama: Ab 9 Jahren ist Dein Kind im Zeitfenster der U11, die viele der Themen aufgreift und um Medien und Pubertät erweitert. Sprich die Praxis einfach darauf an.
Übernimmt die Kasse die Kosten auch nachträglich?
Viele Kassen arbeiten mit Kostenerstattung: Du zahlst zunächst selbst und reichst die Rechnung ein. Kläre aber vor dem Termin, ob Deine Kasse die U10 überhaupt bezuschusst und welche Nachweise sie sehen will — das erspart Überraschungen.
Quellen und weiterführende Links
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Kinder-Richtlinie (gesetzliche Früherkennungsuntersuchungen)
- SGB V § 26 — Gesundheitsuntersuchungen für Kinder und Jugendliche
- kindergesundheit-info.de (BZgA): Früherkennungsuntersuchungen für Kinder