Der Wecker klingelt, die Nacht war kurz, und Deine Hand greift wie jeden Morgen nach der Kaffeedose. Dann fällt Dir der positive Test von gestern ein. Darfst Du das noch? Und zählen der Cappuccino im Büro, der grüne Tee am Nachmittag und das Glas Cola am Abend mit?
Hier erfährst Du, welche Tagesmenge Koffein die Fachbehörden in der Schwangerschaft für unbedenklich halten, wie viel in Kaffee, Tee, Cola und Schokolade steckt, warum manche Forschende strenger sind und was in den ersten Wochen und beim Stillen gilt. Die Kurzfassung vorweg: Bis zu 200 Milligramm Koffein am Tag, über den Tag verteilt, gelten als unbedenklich – das sind ungefähr zwei Tassen Filterkaffee. Verzichten musst Du nicht, mitzählen aber schon.
Wie viel Koffein am Tag ist in der Schwangerschaft okay?
Den Maßstab hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 2015 gesetzt. Für Schwangere hielt sie fest: Bis zu 200 Milligramm täglich aus sämtlichen Quellen, über den Tag verteilt, geben keinen Anlass zur Sorge um das Kind. Für gesunde Erwachsene allgemein hält die EFSA 400 Milligramm für vertretbar – Schwangere sind von diesem höheren Wert ausdrücklich ausgenommen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) legt denselben Wert zugrunde, zuletzt in seinen Fragen und Antworten zu Koffein vom Januar 2026. Das Netzwerk Gesund ins Leben übersetzt ihn in den Alltag: etwa zwei Tassen Filterkaffee, ein kompletter Verzicht sei nicht nötig.
Gemeint ist die Summe aus allem, was Du von morgens bis abends trinkst und isst. Dahinter steht eine konkrete Sorge: Nach Einschätzung des BfR kann dauerhaft hoher Koffeinkonsum dazu führen, dass das Kind im Mutterleib schlechter wächst. Und der Körper baut Koffein nur langsam ab. Bei Erwachsenen ist laut EFSA nach etwa vier Stunden die Hälfte ausgeschieden, je nach Mensch nach zwei bis acht Stunden; auch eine Schwangerschaft beeinflusst diese Zeit. Wer mehrmals am Tag nachlegt, addiert also.
Koffein-Tabelle: Kaffee, Espresso, Tee, Cola und Schokolade
Die Werte sind Näherungen aus der Tabelle des BfR, die auf der EFSA-Bewertung von 2015 beruht. Der echte Gehalt schwankt je nach Produkt, Zubereitung und Portion. Ist Dein Becher größer als 200 Milliliter, rechne entsprechend mehr.
| Getränk oder Lebensmittel | Portion | Koffein (ca.) | Anteil an 200 mg |
|---|---|---|---|
| Filterkaffee | 1 Tasse (200 ml) | 90 mg | knapp die Hälfte |
| Espresso | 1 Tasse (60 ml) | 80 mg | etwa 40 % |
| Cappuccino, Latte macchiato | 1 Tasse oder Glas | so viel wie der Espresso darin | mit Espresso-Wert rechnen |
| Schwarzer Tee | 1 Tasse (200 ml) | 45 mg | gut ein Fünftel |
| Grüner Tee | 1 Tasse (200 ml) | 30 mg | etwa 15 % |
| Cola | 1 Dose (330 ml) | 35 mg | knapp ein Fünftel |
| Mate-Tee, Mate-Limonade | – | kein amtlicher Durchschnittswert | Etikett prüfen |
| Energydrink | 1 Dose (250 ml) | 80 mg | nicht empfohlen |
| Kakaogetränk | 1 Tasse (200 ml) | 8 bis 35 mg | bis knapp ein Fünftel |
| Zartbitterschokolade | halbe Tafel (50 g) | 25 mg | ein Achtel |
| Vollmilchschokolade | halbe Tafel (50 g) | 10 mg | 5 % |
Für Cappuccino und Latte macchiato gibt es keinen eigenen amtlichen Wert. Das Koffein steckt im Espresso, die Milch ändert daran nichts – rechne also mit dem Espresso-Wert, bei doppeltem Shot mit dem Doppelten. Auch Mate enthält Koffein, einen amtlichen Durchschnittswert pro Tasse gibt es dafür aber nicht. Bei Erfrischungsgetränken wie Mate-Limonaden hilft das Etikett: Liegt der Gehalt über 150 Milligramm pro Liter, muss dort stehen, dass der Koffeingehalt erhöht ist und das Getränk für Kinder, Schwangere und Stillende nicht empfohlen wird.
Energydrinks sind die eine echte Ausnahme. Das BfR rät Schwangeren wie Stillenden, auf Getränke mit erhöhtem Koffeingehalt ganz zu verzichten. Schon drei übliche Dosen mit je 250 Millilitern bringen 240 Milligramm und damit mehr als den gesamten Tageswert. Koffeinpulver als Nahrungsergänzung ist in dieser Zeit erst recht keine gute Wahl: Schon die empfohlene Portion liegt laut BfR meist bei 200 Milligramm, und eine Küchenwaage kann so kleine Mengen nicht genau abwiegen.
Wie schnell ein Tag zusammenkommt, zeigt ein Rechenbeispiel: Filterkaffee zum Frühstück (90 mg), mittags ein Cappuccino (80 mg) und nachmittags eine Tasse Schwarztee (45 mg) ergeben 215 Milligramm – knapp über dem Richtwert. Mit Wasser oder Früchtetee statt Schwarztee bist Du bei 170 Milligramm.
Sarah, 27, ist in der 30. Woche und trinkt kaum Kaffee, dafür täglich eine Dose Cola und abends zwei Tassen grünen Tee. Zusammen sind das etwa 95 Milligramm, weit unter dem Richtwert. Ob die tägliche Cola wegen des Zuckers sein muss, ist eine andere Frage – was in einem Glas steckt, steht im Beitrag Ab wann dürfen Kinder Cola trinken?.
Warum es keine sicher risikolose Menge gibt
Die 200 Milligramm wirken wie eine scharfe Linie, sind aber eher eine Orientierung. Das Netzwerk Gesund ins Leben räumt in einem Fachvortrag zu seinen Handlungsempfehlungen (2020) offen ein, dass die Datenlage nicht ausreicht, um eine Menge ganz ohne Risiko exakt festzulegen. Beobachtungsstudien bringen höheren Koffeinkonsum dort mit Wachstumsverzögerung, niedrigem Geburtsgewicht und Fehlgeburt in Verbindung. Die offizielle Linie lautet deshalb: koffeinhaltige Getränke ja, aber maßvoll.
Strenger urteilt eine Übersichtsarbeit von Jack E. James in BMJ Evidence-Based Medicine (2021). Er wertete 48 Beobachtungsstudien und Metaanalysen aus rund zwei Jahrzehnten aus. In 32 von 42 Einzelbefunden aus 37 Beobachtungsstudien ging Koffein mit einem signifikant höheren Risiko einher. 14 Auswertungen aus Metaanalysen fanden übereinstimmend ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburt, Totgeburt, niedriges Geburtsgewicht und akute Leukämie im Kindesalter, für Frühgeburten dagegen keinen verlässlichen Zusammenhang. Sein Fazit: Die Daten stützen keine Ratschläge, die „moderaten“ Konsum als sicher darstellen. Er rät Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch, Koffein ganz zu meiden.
Wie passt das zusammen? Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, beweisen aber keine Ursache, weil sich andere Einflüsse nie vollständig herausrechnen lassen. BfR und Gesund ins Leben nennen auch 2026 weiter 200 Milligramm. Mit bis zu zwei Tassen Filterkaffee bewegst Du Dich also im Rahmen der offiziellen Empfehlung, und wer mit weniger auskommt, macht nichts falsch. Beim Alkohol in der Schwangerschaft ist das anders: Ihn sollst Du nach denselben Handlungsempfehlungen ganz meiden, und zwar schon, wenn Du eine Schwangerschaft planst.
Gilt in den ersten Wochen etwas anderes?
Eine eigene, strengere Grenze für die Frühschwangerschaft nennen weder EFSA noch BfR noch das Netzwerk Gesund ins Leben. Der Richtwert gilt für die gesamte Schwangerschaft, also auch für die Wochen, in denen Du vielleicht noch nichts davon weißt. Weil Studien unter anderem Fehlgeburten mit viel Koffein in Verbindung bringen, ist es sinnvoll, schon bei Kinderwunsch und spätestens ab dem positiven Schwangerschaftstest auf die Tagesmenge zu achten.
Und wenn Du vor dem Test täglich drei oder vier Tassen getrunken hast? Das geht vielen so, weil die ersten Wochen oft unbemerkt vergehen. Entscheidend ist, wie viel Du ab jetzt trinkst. Beschäftigt Dich die Frage, sprich sie in Deiner Frauenarztpraxis oder bei Deiner Hebamme an.
Ist entkoffeinierter Kaffee eine Alternative?
Ja, und oft die einfachste, weil das Ritual bleibt. „Entkoffeiniert“ ist keine freie Werbeaussage: Die Kaffeeverordnung knüpft die Angabe an einen Grenzwert. Bei Röstkaffee sind höchstens ein Gramm Koffein pro Kilogramm Kaffeetrockenmasse zulässig, bei löslichem Kaffee, im Gesetz Kaffee-Extrakt genannt, höchstens drei Gramm pro Kilogramm Trockenmasse.
Ein Rechenbeispiel: Nimmst Du für eine große Tasse etwa 10 Gramm Pulver, stecken darin bei entkoffeiniertem Röstkaffee höchstens rund 10 Milligramm Koffein, selbst wenn alles in der Tasse landen würde. Eine normale Tasse Filterkaffee bringt rund 90 Milligramm mit. Ganz koffeinfrei ist Entkoffeinierter also nicht, fällt auf dem Tageskonto aber kaum ins Gewicht.
Lena, 31, ist in der 8. Woche und trinkt im Büro aus Gewohnheit drei große Becher Filterkaffee. Bei 300 Millilitern pro Becher sind das rechnerisch rund 400 Milligramm. Sie stellt um: morgens eine normale Tasse, mittags ein Cappuccino, danach nur noch entkoffeiniert. Damit liegt sie bei rund 180 Milligramm und behält ihre Kaffeepausen.
Was gilt in der Stillzeit?
Nach der Geburt bleibt der Richtwert gleich. Das BfR hält auch für Stillende bis zu 200 Milligramm Koffein am Tag, über den Tag verteilt, für unbedenklich, und zwar mit Blick auf das gestillte Kind. Energydrinks und andere Getränke mit erhöhtem Koffeingehalt sind auch in dieser Zeit nicht empfohlen.
Mira, 34, stillt ihren drei Monate alten Sohn und trinkt an anstrengenden Tagen drei Espressi, also rund 240 Milligramm. Abends ist der Kleine oft quengelig, und sie fragt sich, ob das am Kaffee liegt. Ihre Hebamme rät ihr, sich auch beim Stillen an die 200 Milligramm zu halten, also höchstens zwei Espressi, und eine Woche lang zu beobachten, ob sich am Abend etwas ändert. Unruhe am Abend hat bei Babys viele Ursachen, der Vergleich zeigt, ob der Kaffee dazugehört. Rat rund ums Anlegen und bei Problemen findest Du im Ratgeber zum Stillen.
Checkliste: So behältst Du den Überblick
- Tagesmenge statt Tassen zählen: Ein großer Becher kann so viel Koffein enthalten wie anderthalb oder zwei normale Tassen.
- Alles mitrechnen: Schwarzer und grüner Tee, Cola, Mate, Kakao und dunkle Schokolade gehören dazu.
- Verteilen statt bündeln: lieber morgens und mittags je eine Tasse als zwei direkt hintereinander.
- Ab der zweiten oder dritten Tasse entkoffeiniert: Der Genuss bleibt, das Koffein nicht.
- Bei Medikamenten nachfragen: Laut EFSA enthalten auch einige Arzneimittel Koffein. Ob das bei einem Mittel so ist und ob es in der Schwangerschaft passt, sagt Dir die Apotheke oder Deine Frauenärztin.
- Auf den Magen hören: Schlägt Dir Kaffee gerade auf den Magen, findest Du im Beitrag zu Sodbrennen in der Schwangerschaft, was sonst noch hilft.
Welche Lebensmittel sonst wichtig sind und welche besser wegbleiben, fasst der Ratgeber zur Ernährung in der Schwangerschaft zusammen.
Häufige Fragen
Darf ich in der Schwangerschaft Espresso trinken?
Ja. Eine Espressotasse mit 60 Millilitern enthält laut EFSA und BfR rund 80 Milligramm Koffein, etwas weniger als eine Tasse Filterkaffee. Sie zählt aber genauso zur Tagesmenge: Zwei Espressi sind schon 160 Milligramm.
Ist grüner Tee die bessere Wahl?
Pro Tasse hat grüner Tee mit etwa 30 Milligramm weniger Koffein als schwarzer Tee (45) oder Filterkaffee (90). Koffeinfrei ist er nicht, mehrere Tassen summieren sich ebenfalls.
Warum steht auf Kaffee kein Warnhinweis für Schwangere?
Weil Kaffee und Tee von der Hinweispflicht ausgenommen sind, ebenso Getränke auf ihrer Basis, die „Kaffee“ oder „Tee“ im Namen tragen. Den Hinweis auf erhöhten Koffeingehalt brauchen andere Getränke mit mehr als 150 Milligramm pro Liter, etwa Energydrinks. Beim Kaffee rechnest Du also selbst.
Zählt Schokolade mit?
Ja, allerdings mit kleinen Mengen: Eine halbe Tafel Zartbitterschokolade (50 g) bringt rund 25 Milligramm, Vollmilchschokolade etwa 10, eine Tasse Kakao je nach Produkt 8 bis 35 Milligramm.
Ich habe an einem Tag deutlich mehr getrunken – ist das schlimm?
Die Warnung des BfR bezieht sich auf eine über längere Zeit erhöhte Zufuhr. Zu einzelnen Tagen über dem Richtwert machen die Quellen keine eigene Aussage. Kehr zu Deiner gewohnten Menge zurück und sprich das Thema bei der nächsten Vorsorge an, wenn es Dich beschäftigt.
Stand: 29. Oktober 2026
Quellen und weiterführende Links
- EFSA: EFSA erklärt Risikobewertung – Koffein (2015)
- BfR: Fragen und Antworten zu Koffein und koffeinhaltigen Lebensmitteln, einschließlich Energy Drinks
- Netzwerk Gesund ins Leben: Ernährung in der Schwangerschaft
- Netzwerk Gesund ins Leben: Alkohol, Rauchen und koffeinhaltige Getränke in der Schwangerschaft (Folienvortrag, 2020)
- Bundesministerium der Justiz: Kaffeeverordnung, § 2 Kennzeichnung
- BMJ Evidence-Based Medicine: James JE, Maternal caffeine consumption and pregnancy outcomes (2021)
